Fashion & Lifestyle
Colleen B. Rosenblat
Zwischen Handwerk und Design

Ihr Atelier ist dabei weit mehr als Werkstatt und Showroom. Es ist Refugium, Inspirationsquelle und Begegnungsort zugleich. Ein Hinterhof in Harvestehude, abgeschirmt vom Lärm der Stadt, durchdrungen von Licht, Natur und Ruhe. Gemeinsam mit dem New Yorker Architekten Michael Gabellini entwarf Rosenblat diesen Raum aus Stein und Holz, aus Strenge und Wärme – Gegensätze, die ihre Kreativität beflügeln und den Steinen ihre besondere Aura verleihen. „Ohne dieses Atelier würden Steine Steine bleiben. Hier werden sie zu Schönheiten“, sagt sie. An ihrer Werkbank versinkt sie in die Arbeit, beinahe wie in Meditation, und erschafft Stücke, die zeitlos, individuell und kraftvoll zugleich sind.
Wie begann dein Weg zur Schmuckdesignerin und Goldschmiedin?
Colleen B. Rosenblat Schon als junges Mädchen war ich begeisterte Handarbeiterin – Stricken, Häkeln, Nähen. Als mir der „Hausjuwelier“ meiner Mutter eines Tages ein Silberblech und eine Metallsäge mitbrachte, war es um mich – und den kleinen Biedermeier-Schreibtisch in meinem Zimmer – geschehen. Ich sägte einen Schlüsselanhänger und Halsschmuck nach dem nächsten aus.
Welche Ausbildung oder Erfahrungen waren für deine heutige Arbeit besonders prägend?
Colleen B. Rosenblat Natürlich war die Goldschmiedelehre sehr hilfreich und prägend. Es ist gut, all die alten Techniken handwerklich zu beherrschen. So kann man den Schmuck, den man im Kopf designt, auch wahrhaftig umsetzen – und es sind keine Hirngespinste, die sich technisch nicht verwirklichen lassen. Die Erfahrung der Gemmologie-Ausbildung hat aus mir einen richtigen Steinfreak gemacht. Der Stein steht bei all meinen Designs immer im Vordergrund. Um ihn herum wird das Metall angelegt, um den Stein letztendlich tragbar zu machen. Mein Design sollte immer im Hintergrund stehen und dem wahren Star – dem Edelstein – die Bühne überlassen.
Was hat dich dazu inspiriert, ein eigenes Atelier in Hamburg zu eröffnen?
Colleen B. Rosenblat Zu Hause wurde durch die immer zahlreicher werdende Kundschaft mein erster Showroom in meinem Privathaus zu klein. Außerdem wollten meine Kinder immer gern bei Verkaufsgesprächen dabei sein, und mein Sohn zum Beispiel wollte seine Lieblingsstücke von mir nicht verkaufen. So hat es mehr Sinn gemacht, ein Atelier außer Haus zu eröffnen.
Was fasziniert dich am meisten an Edelsteinen und Schmuckdesign?
Colleen B. Rosenblat Edelsteine faszinieren mich durch ihre Farbe, Strahlkraft und Energie. Sie sind vor Jahrmillionen unter großem Druck und Hitze im Erdinneren mit Zugabe spezieller Chemikalien entstanden, die die jeweiligen Farben ausmachen. Als Kind fand ich einen Rauchquarz im Waldboden meiner Heimatstadt Bad Homburg. Dieser Fund war wie die Bergung eines wertvollen Schatzes für mich. Ich begriff, dass Edelsteine wirklich aus der Erde kommen. Alle sind Naturprodukte – ein Geschenk an uns Menschen. Ich bin dankbar, durch meine Ausbildung und Fertigkeiten mit solch wundervollen Edelsteinen täglich arbeiten zu dürfen und sie zu täglichen Begleitern ihrer Träger und Trägerinnen zu gestalten.
Wie beschreibst du deinen kreativen Prozess – von der Idee bis zum fertigen Schmuckstück?
Colleen B. Rosenblat Die Idee entsteht in meinem Kopf, wird kurz aufgezeichnet, manchmal baue ich (zum Beispiel für Armbänder) Pappmodelle, die ich ausschneide und mit Drahtösen verbinde. Während des Goldschmiedevorgangs nehme ich dann oft noch Veränderungen am Design vor: kleine Nuancen, ein bisschen mehr Rundung, dickere Steinfassung, andere Farben der Seitensteine. Der Arbeitsprozess selbst ist auch ein kreativer Akt.
Was unterscheidet deine Schmuckstücke von anderen, und worauf legst du besonderen Wert?
Colleen B. Rosenblat Mein Design richtet sich immer nach dem Stein und nicht andersherum. Er ist wie ein Kunstwerk, und mein Design gibt ihm lediglich seinen – aus meiner Sicht – optimalen Rahmen. Ich respektiere die Persönlichkeit der Steine mit all ihren Adern und Einschlüssen. Diese stören mich nicht, ganz im Gegenteil: Sie erzählen Geschichten der Herkunft, geben den Steinen ihren Charakter und machen sie einzigartig.
Du hast mal gesagt, dass dein Atelier in Harvestehude ein „magischer Ort“ für dich ist. Was verbirgt sich hinter dieser Aussage?
Colleen B. Rosenblat Mein Atelier ist für mich eine Insel im Alltag. Beim Betreten der alten Remise verschwindet der Lärm der Stadt. Ich tauche ein in meine Lieblingsbeschäftigung: Steine zusammenzustellen, etwa für die Skarabäus-Ringe. Welcher farbige Mittelstein wirkt mit welcher Goldfarbe der Seitensteine am schönsten? Steine wählen, wenn meine geliebten Händler ihre Schätze aus aller Welt zeigen. Oberflächen hämmern, zum Beispiel bei meinen Armreifen. Ich liebe es. Für mich ist es Meditation – im Hier und Jetzt sein.
Du hast den Showroom gemeinsam mit Michael Gabellini entworfen. Welche Gedanken sind in die Gestaltung eingeflossen?
Colleen B. Rosenblat Für mich stand die Zeitlosigkeit des Designs im Vordergrund. Aber auch, dass der Showroom selbst Raum für den Schmuck lässt. Das heißt, das Interieur-Design ist zurückgenommen und eher unauffällig, obwohl es durch technische Details doch ins Auge fällt. Ich wollte eine zeitlose, schöne Bühne für meine Unikate. Das ist, wie ich finde, sehr gut geglückt. Ich habe seit der Eröffnung 1998 nichts am Showroom verändert.
Du sagst, die Arbeit an der Werkbank sei fast wie Meditation. Was bedeutet das für deinen Alltag?
Colleen B. Rosenblat Das bedeutet, dass ich nicht zusätzlich zu Meditationskursen gehe. Ich fühle mich komplett wohl bei meiner Arbeit und denke dabei an nichts anderes.
Kannst du ein Erlebnis aus deinem Atelier teilen, das deine Arbeit oder deine Schmuckstücke besonders beeinflusst hat?
Colleen B. Rosenblat Nicht direkt aus dem Atelier. Mein Design wird beeinflusst durch die Formen und Farben der Natur: Hölzer, Bäume, Blätter, Beeren, Pilze, Moose und Flechten. Ich liebe Wandern und mache mit meinem iPhone immer wieder Schnappschüsse von Dingen, die mich inspirieren – auch von Architektur.
Gibt es ein Projekt oder ein Schmuckstück, auf das du besonders stolz bist?
Colleen B. Rosenblat „Stolz“ ist ein großes Wort, aber ich bin jedes Mal wieder fasziniert von der Magie, der Kraft und der Individualität der Skarabäus-Ringe. Ende der 1980er Jahre hat mich die Tutanchamun-Ausstellung in München sehr geprägt, und die Mythologie des Skarabäus hat mich in ihren Bann gezogen. Der altägyptische Mistkäfer – ein Symbol des Sonnenlaufs! Ein Talisman im Reich der Ägypter. Er wurde oft den Mumien mit ins Grab gegeben, um Licht in die Finsternis zu bringen und ihre Seele zum Sonnengott zu rollen. Meine Skarabäen sollen auch ihren Trägern und Trägerinnen Glück bringen. Für viele sind sie tägliche Begleiter. Nicht nur jeder Stein unterscheidet sich, auch jede Gravur, die aufwendig von Hand gearbeitet wird, gibt jedem Skarabäus einen individuellen Charakter.
Wie hat sich dein Atelier in Hamburg-Harvestehude im Laufe der Jahre entwickelt?
Colleen B. Rosenblat Es gab ein paar technische Erneuerungen in unserem Atelier, wie zum Beispiel einen hochmodernen Laser, mit dem sich viel präziser einzelne Elemente eines Schmuckstücks verbinden lassen. Ansonsten ist das Goldschmiedehandwerk bei uns bewusst sehr ursprünglich gehalten. Es wäre möglich, mit moderner Computertechnik und 3D-Druckverfahren Schmuckstücke einfach und kostengünstig zu produzieren – aber ich habe mich bewusst dagegen entschieden. Schmuck, der per Hand durch Feilen, Fräsen, Bohren usw. in unserem Atelier entsteht, weist kleine Unregelmäßigkeiten auf. Es bleibt Handarbeit – und das ist mir sehr wichtig!
Woher nimmst du Inspiration für neue Kollektionen?
Colleen B. Rosenblat Am Anfang steht der Stein. Wenn ich einen neuen Stein gekauft habe, weil er mich angesprochen hat, fällt mir dazu ein neues Design ein. Die meisten Designs sind abhängig vom Edelstein. Ich spiele gern mit Farben und Formen und versuche Kombinationen, an die sich viele nicht herantrauen. Mal fällt es mehr auf, mal weniger – aber es gibt immer einen Twist.
Welche Trends oder Entwicklungen in der Schmuckbranche beobachtest du derzeit besonders spannend?
Colleen B. Rosenblat In Zeiten, in denen große Luxuskonglomerate immer mehr Labels – auch aus der Uhren- und Schmuckbranche – aufkaufen, kommerzialisieren und möglichst viel Profit zulasten von Qualität und verantwortungsvoller Produktion schlagen wollen, schätzen meine Alt- und Neukunden umso mehr Colleen B. Rosenblat als individuelles Label mit Unikatschmuck, der hier in Hamburg traditionell und mit spürbarer Hingabe gefertigt wird.
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