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Guido Zimmermann
Neue Führung bei Steinway & Sons

Neues Führungsmitglied in der Hamburger Steinway Familie: Guido Zimmermann, Vice President & Managing Director Europe. Guido Zimmermann trat die Nachfolge von Werner Husmann an, der sich nach 50 Jahren bei Steinway & Sons Hamburg in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat.

Mann sitzt vor einem Klavier
GUIDO ZIMMERMANN, VICE PRESIDENT & MANAGING DIRECTOR STEINWAY & SONS EUROPE

Sie sind Neueinsteiger bei Steinway & Sons. Sie übernehmen in Hamburg das Amt von Ihrem Vorgänger Werner Husmann, der dort 50 Jahre Erfahrungen sammeln konnte. Sind die Erwartungen an Sie sehr hoch?

Guido Zimmermann Das sind sie. Zum Glück aber wurde ich bei Steinway & Sons mit offenen Armen empfangen und habe sehr viel Unterstützung der gesamten Mannschaft erfahren, mich in diese ganz besonders schöne Branche und das Unternehmen mit seiner lange Tradition, sehr interessanten Kunden und unvergleichlichen Handwerkskunst einzuarbeiten. Es ist eine große Freude und Ehre für mich, für Steinway & Sons zu arbeiten und es behutsam in die Zukunft führen zu dürfen.

Mehr als 14 Jahre in verschiedenen Führungspositionen bei Mont Blanc – fühlen Sie sich gut gewappnet, um Steinway & Sons erfolgreich zu führen?

Guido Zimmermann Absolut. Beides sind große Hamburger Handwerks-Marken, die auf haneatischen Werten bauen und viel gemeinsam haben. Etwa das kompromisslose Produzieren bester Qualität, aber auch den Auftrag, mehr zu erwirtschaften als Gewinn, nämlich für die Gesellschaft relevant zu sein. Das Schreiben und das Musizieren sind so wichtig und haben heute vermutlich mehr Bedeutung denn je. Sie stellen eine Auszeit vom stressigen Alltag dar und berühren viele Menschen.

Sie haben selbst eine Leidenschaft für Musik und Handwerkskunst entwickelt, wann fingen Sie damit an und spielen Sie selbst Instrumente?

Guido Zimmermann Mein Vater hatte eine Tischlerei direkt nebenan. Mit dem Produkt Holz, das bei Steinway eine wesentliche Rolle spielt, bin ich groß geworden. Und vor vielen Jahren habe ich Orgel- und Trompete-Spielen gelernt, aber leider lange nicht praktiziert. Mein Start bei Steinway & Sons war ein toller Anlass, nun mit Klavierspielen (natürlich bei einer Klavierlehrerin und auf einem Steinway Flügel) zu beginnen. Immerhin kenne ich die 88 Tasten schon etwas. Mein Talent ist zwar überschaubar, aber auf einem Steinway Flügel macht das Klavierspielen so viel Freude. Der Steinway ist ideal für Anfänger wie mich, für Hobby-Spieler und Profis – und nebenbei ja auch noch ein wunderschönes Möbel, das über die Zeit an Wert gewinnt.

Kann man auch bei Ihnen anfangen, wenn man kein Klavier spielen kann?

Guido Zimmermann Ja, nehmen Sie mich gern als Beispiel. Man muss nicht zwingend Klavier spielen können, um bei uns zu arbeiten. In vielen Bereichen in unserer Manufaktur sind eher handwerkliche als musikalische Fähigkeiten erforderlich. Vielmehr geht es in den „tonlichen Abteilungen“ um das Gespür für den besten Ton, die beste und harmonische Stimmung im Instrument. Beste Stimmung in der Mannschaft zu halten ist überhaupt eines meiner Ziele für das Unternehmen. Denn nur mit guter Stimmung in der Manufaktur können beste Instrument gebaut werden, die beste Stimmung beim Spielen und Zuhören erzeugen. Und die Leidenschaft für die Musik eint uns sicher bei Steinway & Sons.

Das Traditionsunternehmen, welches nun schon seit mehr als 160 Jahren gepflegt wird, bietet höchste Qualität für Musikliebhaber. Wie unterscheidet sich Steinway SPIRIO von anderen Selbstspielsystemen?

Guido Zimmermann Es hat viele Jahre gedauert, bis wir überhaupt mit einem Selbstspielsystem auf den Markt gekommen sind. Erst, nachdem wir wirklich sicher waren, dass Spirio unserem Namen und unseren hohen Anforderungen gerecht wird, haben wir dieses innovative, erstklassige Player Piano der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Besondere an Spirio ist zum einen die perfekte Technologie, die eine authentische Wiedergabe der eingespielten Werke erlaubt. Man erlebt tatsächlich die emotionale und technische Bandbreite der Pianisten hautnah und nicht zuletzt hat man das Gefühl, die Künstler live zuhause zu Gast zu haben. Zum anderen ist es unsere derzeit über 3.000 Werke umfassende Musikbibliothek. Hauptsächlich von Steinway Artists in unseren Studios in New York, Hamburg und Shanghai eingespielt, erhält jeder Besitzer eine erstklassige Auswahl an Titeln aller Genres, die automatisch monatlich erweitert wird. Und nicht nur das: Auch Videos bereichern das Erlebnis Spirio und sorgen für größte Unterhaltung. Selbstverständlich kann ein Spirio auch akustisch gespielt werden, sodass die Besitzer einen absoluten Doppelnutzen zu einem wirklich akzeptablen Aufpreis zum „normalen“ Steinway Flügel genießen.

Was hat Steinway veranlasst mit dem SPIRIO in den digitalen Markt vorzudringen.

Guido Zimmermann Es war die Nachfrage unserer Händler und Endkunden. Ein hochqualifiziertes Team wurde für die Entwicklung des Systems eingesetzt und 2016 konnten wir dann erstmals Spirio in ausgewählten Märkten vorstellen. Seither erfreut sich das System wachsender Beliebtheit. Heute wird schon etwa jedes vierte Instrument mit der fantastischen Spirio Technologie ausgestattet, was uns natürlich sehr freut und für die Qualität spricht. So können Sie die schönste Musik der Steinway Artists jederzeit zuhause auf Abruf genießen. Oder aber natürlich weiter selbst darauf spielen. Spirio ist eine wirklich tolle Zusatzausstattung.

Wird dieser Bereich weiter ausgebaut? Welche Pläne oder Visionen gibt es?

Guido Zimmermann Es gibt Pläne, das System weiter auszubauen. Wir denken, dass wir 2019 mehr dazu sagen können.

Warum hat ein US-Hedgefond Interesse an einem Klavierbauer?

Guido Zimmermann John Paulson hat Steinway vor fünf Jahren unabhängig von seinem Hedgefond erworben. Er ist mit dem Klavier und Steinway aufgewachsen, hat deshalb eine große Affinität zu unserem Produkt und erlebt uns nun als erfolgreiches Unternehmen auf Wachstumskurs.

Wo sehen Sie die Wachstumsmärkte?

Guido Zimmermann Das ist sicherlich weiterhin China mit seinen geschätzten 50 Millionen Klavierschülern. Aber auch in Europa und unserem Heimatmarkt Deutschland verzeichnen wir guten Zuwachs. Wir werden weiter in unser eigenes Netzwerk investieren, renovieren derzeit unser Geschäft in Hamburg Bahrenfeld und ziehen in München demnächst in die Innenstadt. Frankreich haben wir letztes Jahr als eigenen Markt übernommen, unser Geschäft an dem Boulevard St. Germain läuft sehr gut an.

Inwiefern sichert der „Bestell-Boom“ Chinas dem Hamburger Werk die Arbeitsplätze?

Guide Zimmermann Das Wertschätzen von Steinway & Sons, von unserer Qualität „Made in Hamburg“ auf dem chinesischen Markt ist natürlich sehr willkommen. Aber alleine auf diesen Markt setzen wir nicht, um das Unternehmen, die Marke und die Arbeitsplätze im Hamburger Werk zu sichern. Übrigens suchen wir hier gerade 20 Klavierbauer, Lackierer und Tischler zur Ergänzung in unseren Manufaktur-Abteilungen.

Wie viele Bestellungen gehen von Hamburg aus nach China?

Guido Zimmermann In etwa jeder dritte Flügel verlässt zurzeit unsere Manufaktur in Richtung unserer Niederlassung in Shanghai, um dort in den beiden eigenen Geschäften und über das Händler-Netzwerk verkauft zu werden.

Stehen neue Projekte an, über die Sie schon was erzählen dürfen? Wird es in Zukunft nicht nur alleinspielende Pianos geben, sondern auch neue Visionen umgesetzt?

Guido Zimmermann Unser Gründer, Henry E. Steinway, hat die Marschrichtung von Steinway schon damals vorgegeben: Es geht um die permanente Verbesserung des Pianos, um ständige Innovation und darum, die Marktführerschaft zu halten und auszubauen. Daher: Ja, wir sind mit unseren Entwicklern und Designern dabei, auch für die Zukunft spannende limitierte Editionen auf den Markt zu bringen. Vor allem aber geht es bei Steinway um eins: Das beste Instrument für die Bühne und für Zuhause zu bauen. Und das in bewährter Art und Weise mit unseren etwa 500 Facharbeitern in Hamburg. Dafür geben wir alles – jeden Tag.

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