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Routine einer Hundebesitzerin
Hamburg, deine Hunde

Der Wecker klingelt, wie immer viel zu früh. Ich taste die Oberfläche meines Nachttisches ab und versuche mein Handy zu orten, ohne die Augen zu öffnen und kalte Luft unter die Decke zu lassen. Während ich mich in Richtung Handy drehe, landet mein Hund Akito einen Volltreffer mitten in mein Gesicht – er hat wahrscheinlich schon lange neben dem Bett gewartet, bis ich mich umdrehe, um mir einen „Guten Morgen“ zu wünschen.

Dobermann Akito von Marika Henke

Spätestens jetzt gebe ich auf, schalte die Schlummerfunktion aus und stolpere Richtung Badezimmer. Mit einem Blick aus dem Fenster versuche ich herauszufinden, was ich für´s Gassigehen anziehen muss. Leider ist es noch zu dunkel und ich muss widerwillig das Fenster öffnen. Es ist kalt. Es regnet nicht, aber der Nebel landet trotzdem feucht auf dem nackten Arm, den ich aus dem Fenster halte. Also warm und wetterfest anziehen. Akito ist zurück in sein Bett gerollt und fängt langsam an, sich gemütlich zu strecken, während ich meine Zähne putze und mich anziehe. Ich gehe die Treppe runter in die Küche und mache mir den obligatorischen Kaffee – ohne Kaffee läuft bei mir morgens gar nichts! Spätestens wenn ich anfange, meine Regenjacke anzuziehen, höre ich, wie der 48-Kilo-Hund die Treppe runterpoltert. Vom Geräusch her könnte es auch ein erwachsener Mann sein. Handy, Schlüssel, Kackibeutel, Handschuhe – alles mit! Der Hund sitzt schon vor der Tür und wartet, dass ich ihm das Halsband über den Kopf ziehe und wir los können.

Auf dem Weg zur Tiefgarage merke ich, dass es schon hell geworden ist. Gut, dann brauche ich zumindest nicht die Lampe an mein Fahrrad dranzufummeln. Ich schließe das Garagentor hinter mir und nehme Kurs auf in Richtung Eppendorfer Moor. Nach Überquerung zweier Ampeln können wir Vollgas geben! Auf der ersten Geraden merke ich, wie der Nebel auf meinem Gesicht kondensiert und ich stelle fest, wie schön die Morgenrunde im Nebel doch ist, nachdem man den inneren Schweinehund überwunden hat!
Dank meines 48-Kilo-Allradantriebs sind wir schnell unterwegs. Auf der langen Geraden lasse ich ihn das Tempo bestimmen, muss ihn jetzt aber langsam drosseln – die nächste Kurve nähert sich. Plötzlich muss ich eine Vollbremsung hinlegen: etwa 10-15 Meter vor uns läuft ein großer Hund frei, noch etwa 20 Meter weiter das Frauchen, mit dem Rücken zu uns. Ich steige von meinem Fahrrad herunter, mein Hund bleibt neben mir sitzen. „Guten Morgen!“, rufe ich trocken – nicht wirklich um einen guten Morgen zu wünschen, eher um der Besitzerin des Hundes zu signalisieren, dass sie ihren Hund bitte schleunigst wieder anleinen soll.

Der große Hund dreht sich natürlich als erster um, nimmt Blickkontakt zu meinem auf und fängt an mit der hochgestellten Rute langsam in unsere Richtung zu laufen. Die Besitzerin ruft den Hund mehrmals – wie so oft – ohne Erfolg, läuft jetzt aber schnell hinter ihrem Rüden her. Der Hund kommt immer näher, fixiert meinen Hund mit seinem Blick und senkt langsam den Kopf. Ich überlege schon, ob ich wieder das Fahrrad als Barriere zwischen den Hunden missbrauchen muss, aber zum Glück hat die Besitzerin schon die Rute ihres Hundes zu fassen bekommen und dann das Halsband. Da knurrt und bellt der Rüde schon und fängt an zu scharren. Hastig klickt sie die Leine an und beginnt, den bellenden und tobenden Hund ins Gebüsch zu zerren. Endlich findet sie einen großen Baum, um den sie die Leine herumwickeln und sicher sein kann, dass sie (oder eigentlich der Baum) nun ihren Rüden festhält. Die Szene könnte direkt von Loriot stammen - tut sie aber nicht.

Leider gibt es viele ähnliche Situationen, denen verantwortungsbewusste Hundebesitzer/-innen ausgesetzt sind. Immer häufiger gibt es Probleme mit freilaufenden Hunden, die nicht richtig sozialisiert sind (manchmal betrifft dies sogar beide, den Hund und Besitzer/-in!). Auch bedeutet die Sozialisierung eines Hundes nicht, dass der Hund mit jedem anderen Vierbeiner „nur spielen will“.

Hund am Elbstrand
Monica Pertzsch
Monica Pertzsch

Monica Pertzsch, Besitzerin und Trainerin von „Daily Dogs“.

Was ist deiner Meinung nach das größte Problem zwischen den Hundehaltern?

Monica Pertzsch Ignoranz. Wir haben das Hamburger Hundegesetz, einen Hundeknigge, der eigentlich überall zu lesen ist und wir haben gesellschaftliche Verhaltensregeln, wie Höflichkeit und Toleranz – all das wird nicht beachtet, wenn man die Leine in die Hand nimmt. Jeder ist ein Einzelkämpfer. Jeder vertritt die eigene Philosophie, um es möglichst bequem zu haben. Die Menschen übernehmen keine Verantwortung bei der Erziehung ihres Hundes. Sie nehmen keine Rücksicht und wundern sich, dass es immer mehr „Hundehasser“ gibt. Mittlerweile existieren schon Facebook-Gruppen, die vor Giftködern warnen. Ebenso wird der Hund als Tier in der Gesellschaft immer weniger akzeptiert. Die Gesetze werden verschärft, es werden Hundeverbotszonen errichtet und in Cafés und Restaurants werden Hunde nicht mehr gern gesehen. Ignoranz und Unwissenheit sind die größten Probleme zwischen Hundehaltern.

Was kannst du zum Thema „Problem mit freilaufenden Hunde“ sagen?

Monica Pertzsch Wir haben in Hamburg eine Leinenpflicht. Diese gilt für alle, und zwar überall, auch für die Hunde, die eine Leinenbefreiung haben. Das Problem ist, wenn ein Hundehalter verantwortungsbewusst handelt und seinen Hund an der Leine führt, ist der Hund in seiner Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt. Das heißt, er kann nicht das tun, was Hunde in der Natur tun würden, wenn sie sich begegnen - sie machen nämlich einen Bogen umeinander. Sie laufen nicht aufeinander zu, und sagen „Hallo!“, weil sie sich freuen wie Bolle, wenn sie einen Artgenossen sehen, sondern sie gehen einen Bogen, den sogenannten Besichtigungsbogen. Dieses ist dem Hund allerdings an der Leine nicht möglich. Wir Menschen bestehen auf unser Wegerecht und müssen auf dem Gehweg bleiben. Der Hund folgt dem Weg seines Besitzers. Wir Menschen gehen aufeinander zu, ohne weitere Probleme. Der Hund nicht. Wenn Hunde frontal aufeinander treffen, kommt es oftmals zur Eskalation, es ist vergleichbar mit einer Provokation. Und noch problematischer wird es, wenn einer der Hunde angeleint ist und der andere nicht. Der angeleinte Hund denkt: „Verdammt, ich kann nicht weg!“. Der freilaufende Hund denkt: „Verdammt, der andere geht nicht weg.“ In dieser Situation hat der Hund im Freilauf natürlich die bessere Position. Der Hund hat mehr Freiheit und Hunde lernen schnell. Der freilaufende Hund kann richtig Gas geben, richtig imponieren, richtig provozieren und kann auch beißen, weil er weiß, der andere kann sich nicht wehren. Solche Erfahrungen sammeln freilaufende Hunde sehr schnell.

Es gibt verschiedene Typen wie den „leinenaggressiven Hund“ oder den „Mobber“, der im Freilauf gerne auf andere zuläuft, die an der Leine sind. Die Problematik entsteht durch Missverständnisse in der Kommunikation. Die Leine schränkt die Kommunikation des Hundes ein. Der Hundehalter kann meistens schlecht einschätzen, wie er mit seinem angeleinten Hund an einem freilaufenden Hund vorbei gehen sollte.  Eine Erste-Hilfe-Maßnahme ist es, die Straßenseite zu wechseln, einen Bogen zu gehen, wenn genug Platz vorhanden ist, oder rechtzeitig umzudrehen. Man sollte den Hund immer auf die abgewandte Seite nehmen, das bedeutet, der Mensch ist der Puffer und dient als Schutzschild. Das signalisiert dem anderen Hund, dass der Mensch der Ansprechpartner ist, der die Kontrolle hat, und nicht der Hund. Die meisten Hunde sind schon friedlicher, wenn sie wissen, der Mensch regelt das und nicht der Artgenosse. Diese Technik klappt bei ca. 80% der Hundebegegnungen gut. Um Konfrontationen zu umgehen, können auch Garageneinfahrten sowie Hofeingänge zum Ausweichen genutzt werden, um das andere Tier vorbei zu lassen. Wichtig ist, dass die frontale Begegnung vermieden wird. Es geht Hunden immer um die Distanzvergrößerung. Sie wollen Platz haben, es geht ihnen um einen Höflichkeitsabstand.

Pudel

Ulrike Martens, selbstständig und Mutter von zwei Kindern, aus Eppendorf. Sie besucht heute noch einmal wöchentlich die Hundeschule und trainiert regelmäßig unter anderem die „Gegenstandsuche“ mit ihrem Hund, obwohl Meggie bereits 1,5 Jahre alt ist.

Hast du Probleme in deiner Wohngegend mit den Mitmenschen oder mit anderen Hunden?

Ulrike Martens Ich empfinde die meisten Menschen in meinem Viertel als tolerant gegenüber Hunden. Die Hundebesitzer, die ich kenne, verhalten sich im Großen und Ganzen alle so regelkonform wie ich. Einmal sind wir attackiert worden und der andere Hund hat mich gebissen, als ich dazwischen gegangen bin. Leider hörten wir anschließend, dass das bei diesem Hund kein Einzelfall war… Unverantwortlich, dass der Hund keinen Maulkorb trug!!

Was sind deine Bemühungen für das friedliche Zusammenleben mit der Umgebung?

Ulrike Martens Ich nehme Rücksicht auf meine Mitmenschen und leine Meggie an, wenn Kinder in der Nähe sind. Ich entferne den Hundekot und lasse Meggie zu Hause, wenn es nicht passt, sie mitzunehmen.

Labrador

Melanie Christofferson, berufstätig, 2-fache Mutter, wohnt in Groß Borstel. Sie geht gerne mit ihrer Labradorhündin Polli auf den Alsterwanderwegen und im Eppendorfer Moor Gassi.

Melanie Christofferson Was mich stört ist der Hundehass, der teilweise herrscht. Besonders rund um die Alster und an den Alsterwanderwegen werden Hunde und Hundehalter von Radfahren manchmal regelrecht überfahren. Obwohl es ein Wanderweg und kein Radweg ist.

Was ist deiner Meinung nach das größte Problem mit anderen Hundebesitzern?

Melanie Christofferson Dass viele den Haufen ihres Hundes nicht wegmachen und dadurch das Allgemeinbild der Hundebesitzer sehr schlecht ist. Und schlecht erzogene Hunde, die ohne Leine laufen. Mir fehlt der gegenseitige Respekt und die Rücksichtnahme.

Um deine Hündin zu erziehen, hast du bereits im Welpenalter eine Welpenschule besucht und danach eine Hundeschule.

Melanie Christofferson Ich persönlich bin sehr glücklich mit meinem Hund - Polli darf mit ins Büro und alle freuen sich immer sehr über ihren „Besuch“ an den einzelnen Arbeitsplätzen.

Border Terrier

Franziska Dunger wohnt in Blankenese, ist ebenfalls Mutter von zwei Kindern und hat eine ­5-Jahre alte Border Terrier Hündin namens Holly.

Franziska Dunger Im Laufe der Zeit habe ich Erziehungstrainings bei verschiedenen Trainern gehabt und Seminare über Hundeverhalten besucht, um unterschiedliche Hunde – und besonders meinen – besser „verstehen“ zu können. Ich denke, Hunde sollten geistig noch mehr als körperlich gefördert werden, aber wichtiger noch ist die Einhaltung von Ruhephasen. Ein Hund muss nicht 12 Stunden am Tag bespaßt werden.

Was würdest du gerne von anderen Hundebesitzern fordern?

Franziska Dunger Wichtig ist meiner Meinung nach gegenseitiger Respekt. Man sollte darauf achten, was der Hund mag und wo seine Grenzen sind. Nicht jeder Hund wird gern von fremden Menschen angefasst. Wichtig ist auch grundsätzlich der Respekt anderen Lebewesen gegenüber.

Und was stört dich am meisten?

Franziska Dunger Mangelnde Toleranz und Rücksichtnahme! Ein Beispiel: Eine Begegnung mit einer Frau, die mit sieben oder acht Hunden unterwegs war und mehr auf ihr Handy als auf ihre Umwelt geachtet hat. Ich bat sie – mein Hund war angeleint – an ihr vorbei gehen zu können (und denke natürlich, dass ihre Hunde bei ihr bleiben, ist ja schließlich ein Rudel). Sie sagt „jaja“, ich ging einen Schritt weiter und sofort lösten sich mehrere Hunde aus der Gruppe und attackierten meinen Hund. Mein Bemühen, meinen Hund mit meinen Beinen zu schützen wird noch von ihr mit „nicht die Hunde treten“ kommentiert. Warum können nicht alle Menschen einfach Rücksicht auf ihre Mitlebewesen nehmen?!

Junger Dobermann

Imke Wedekind, Studentin aus Hamburg Eppendorf, hat einen jungen Dobermannrüden, Snoop.

Imke Wedekind Die Stadt Hamburg ist eine sehr hundefreundliche Stadt. Die Anzahl der Hundebesitzer, die ich in der Hundeschule treffe, die sehr ehrgeizig und konsequent mit ihren Hunden arbeiten, ist erfreulich hoch. Ich gehe jede Woche einmal und wenn die Zeit es zulässt, zweimal in die Hundeschule. Gemeinsam mit meinem Lebenspartner nehmen wir regelmäßig Privatstunden bei unserer Trainerin aus der Hundeschule. Mein Lebenspartner ist Mitglied im Hundeverein und macht mit ihm dort zusätzlich Hundesport unter der Anleitung einer sehr erfahrenen Trainerin.

Wie bemühst du dich um ein friedliches „Hundezusammensein“?

Imke Wedekind Neben der professionellen Unterstützung, die ich habe, arbeite ich jeden Tag an der Erziehung von Snoop. Mir ist es sehr wichtig, dass ich ihm ein artgerechtes und stressfreies Leben bieten kann. Dies ist aus meiner Sicht nur möglich, wenn er sich an die Regeln hält, die ich aufstelle und in neuen Situationen, für die er die Regeln noch nicht kennt, sofort hört. Ich laste ihn körperlich und auch mental aus. Besonders wichtig für Snoop ist auch, dass man ihn zu Pausen zwingt und er zur Ruhe kommt. Wenn uns Menschen begegnen, kommt Snoop neben mich. Wir haben langsam angefangen zu üben, ohne Leine an Menschen vorbei zu gehen. Kommen uns Kinder, Kinderwagen oder Erwachsene entgegen, denen anzusehen ist, dass ihnen der Hund unangenehm ist, kommt er zusätzlich immer an die Leine.

Was war für dich das Schwierigste in der Erziehung deines Hundes?

Imke Wedekind Ich empfinde insbesondere die Konsequenz, die man dringend immer durchhalten muss, als das Schwierigste in der Erziehung. Als ehemalige Leistungssportlerin ist Disziplin und konsequentes Arbeiten ein Grundbaustein meines Lebens geworden. Mein Problem ist, dass ich Menschen ungern vor den Kopf stoßen mag. Um seinen Hund konsequent zu erziehen, ist dies aber nötig. Als Beispiel: Die meisten Menschen wollten Snoop als Welpen auf der Straße streicheln und sie freuten sich, wenn er auf sie zugelaufen ist und versucht hat an ihren Beinen hoch zu krabbeln. Die Leute haben ihn gestreichelt und unbewusst gelobt. Wenn Snoop das heute machen würde, bin ich mir sicher, dass die Freude darüber nicht so groß wäre. Daher habe ich Snoop bereits als Welpen davon abgehalten, auf Menschen zuzugehen – es war schwierig für mich ihnen zu erklären, dass er nur zu Menschen gehen darf, bei denen ich ihm das erlaube und sie den Hund bitte nicht streicheln sollen. Meine Familie und meine Freunde habe ich gebeten, den Hund zu ignorieren damit er lernt, dass es mein Besuch ist und nicht seiner.

Was ist deiner Meinung nach das häufigste Fehlverhalten von Hundebesitzern?

Imke Wedekind Sie achten häufig nicht auf ihre Hunde. Beim Spazierengehen gucken die meisten auf ihr Telefon und nicht auf den Hund. In den meisten Fällen ist er dann nicht einmal angeleint und somit einfach führungslos. Das empfinde ich sowohl Nicht-Hundebesitzern als auch Hundebesitzern gegenüber als sehr unangebracht. So ein Verhalten finde ich ignorant, egoistisch und verantwortungslos. Menschen können dabei ja gerne telefonieren, aber wenn man seinen Hund nicht angemessen im Auge hat, funktioniert das einfach nicht!

Was würdest du gerne von anderen Hundebesitzern fordern?

Imke Wedekind Mehr Rücksichtnahme aufeinander. Hundebesitzer müssen ihre Hunde erziehen. Wenn ihnen das nicht möglich ist, gehört der Hund an die Leine.

Border Terrier

Fabia Brandt und Christopher Rothe aus Hamburg-Alsterdorf hatten 17 Jahre lang einen Mopsrüden, Fridolin. Er war ein völlig entspannter Hund, der fast immer ohne Leine gelaufen ist, ohne jegliche Probleme. Vor etwa vier Jahren bekamen die beiden ein neues Familienmitglied, den damals ca. fünfjährigen Border Terrier Maggie. Sie ist von ihrem Wesen her ein absolutes Kontrastprogramm zu Fridolin. Ohne Leine ist sie nicht zu führen und schon öfter in Konflikte mit anderen, vor allem freilaufenden Hunden geraten.

Welche Maßnahmen habt ihr unternommen, um Maggies Probleme in dem Griff zu bekommen?

Fabia Brandt & Christopher Rothe Wir haben in den letzten Jahren mehrfach eine Hundeschule besucht. Maggie hat außerdem mehrere aufeinander aufbauende Kurse einer Jagdhund-Ausbildung besucht, um ihr eine Aufgabe und Beschäftigung nach ihrer rassetypischen Prägung zu bieten. Maggie hat ihr Verhalten schon sehr positiv verändert, es erfüllt aber im alltäglichen Zusammenleben immer noch nicht unsere Vorstellungen. Gäbe es weniger oder keine unsozialen freilaufenden Hunde, hätten wir diese Thematik nicht. Jeder Konflikt, jede Auseinandersetzung wirft uns in unserem Training wieder weit zurück.

Gibt es eurer Meinung nach irgendwas Besonderes, das sich im positiven Sinne geändert hat, im Bezug auf das Hundezusammenleben?

Fabia Brandt & Christopher Rothe Immer mehr Hundeschulen achten schon in der Ausbildung darauf, dass Hunde in Hamburg angeleint auf den Straßen und Grünanlagen geführt werden, wie es auch die Hamburger Gesetze vorschreiben. Parallel wird in der Ausbildung auch gezeigt, dass Begegnungen zwischen Hunden gesteuert werden müssen, da nicht alle den ständigen neuen Kontakt untereinander wollen und brauchen. Wie bei uns Menschen gibt es extrovertierte Typen, die jede neue Begegnung begrüßen und sich darüber freuen. Die introvertierten hingegen möchten dieses Aufeinandertreffen mit neuen Personen eher vermeiden und versuchen, ihnen mit unterschiedlichen Strategien aus dem Weg zu gehen. In der Hundewelt wird hier kaum Rücksicht genommen. Selbst entsprechende Weisungen werden häufig ignoriert. Häufig zu hören: „Meiner tut nichts“. Mag ja sein - leider wird auch hier ignoriert, dass der andere Hund eventuell derjenige ist, der sich hier gegen den Eindringling in seiner Wohlfühlzone zur Wehr setzt.

Und da gab es ja auch schon so eine Situation mit Maggie?

Fabia Brandt & Christopher Rothe Ein freilaufender, nicht abrufbarer, größerer Jagdhund hat Maggie bei einem Spaziergang angegriffen. Und das obwohl wir uns ihm mehrfach in den Weg gestellt haben und ihn des Platzes verwiesen haben. Er drehte einen größeren Bogen und kam dann von hinten angeschossen und versuchte Maggie im Nacken zu packen. Sie drehte sich blitzschnell unter dem Hund weg und bekam ihn am Ohr und an der Lefze zu fassen. Bei den anschließenden Versuchen, die Hunde zu trennen, wurde ich schwer an der rechten Hand verletzt. Die Folge war ein Aufenthalt in der Notaufnahme, acht Stiche und eine Woche Krankschreibung. Glücklicherweise keine weitere Infektion. Maggie trug keine weiteren Blessuren davon. Sie hat sich nur gegen den Angriff geschützt.

Was ärgert euch am meisten auf den Hundewiesen?

Fabia Brandt & Christopher Rothe Hundehalter in Hamburg, die sich partout ignorant zeigen, die Hamburger Regeln und Gesetze zu befolgen. Dies fällt besonders dann auf, wenn man mit einem aufgeregten Hund wie unserer Maggie unterwegs ist. Ebenso fällt immer wieder negativ auf, wie viele Hundehalter sich selten oder gar nicht mit dem Einsammeln der Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner beschäftigen. Ich habe nichts gegen freilaufende Hunde, aber bei Abruf des Halters muss der Hund zu 100 % gehorchen. Meist geschieht das zum Schutz des eigenen Hundes, aber auch zum Schutz des anderen. Das Wissen um die Wehrhaftigkeit von Maggie und die präzise Aggressivität, die sich zielgerichtet entladen kann, wenn ein anderer Hund ihren „Dancespace“ nicht akzeptiert, erfordert immer einen wachsamen Schutz vor Eindringlingen. Die Erfahrungen mit Fridolin, dem alten Mopsrüden, waren Zeit seines Lebens völlig andere. Er ist entweder allen Auseinandersetzungen aus dem Weg gegangen oder er hat sie durch seine Aura und sein Auftreten gar nicht erst möglich gemacht.

Hund in der Speicherstadt

Einen Hund zu besitzen, egal ob einen Rassehund oder einen Mischling, bedeutet eine riesige Verantwortung zu übernehmen und zwar für eine lange Zeit. Es gibt unterschiedliche Trainingsmethoden und Philosophien und es gibt unterschiedliche Hunde und Besitzer. Was für den einen das Richtige ist, funktioniert für den anderen nicht. Die Hauptsache ist, dass einem diese Verantwortung bewusst ist und man bereit ist, dementsprechend zu handeln.

Ich selber besitze einen großen Dobermannrüden, den ich jahrelang als Sporthund im IPO ausgebildet habe. Im IPO-Sport wird der Hund in der Fährtenarbeit, der Unterordnung und dem Schutzdienst zum sozialen ausgeglichenen Familienschutzhund ausgebildet. Ich bin Mitglied in einem Dobermannverein und in einem Polizeihundeverein. Ich trainiere meinen Hund regelmäßig und habe auch die Leinenbefreiung. Ich jogge gerne auf dem Alsterwanderweg mit ihm und führe ihn stets an der Leine – aus Respekt den Menschen gegenüber, die verständlicherweise Angst vor einem großen, schwarzen Hund haben könnten. Wenn ich ihn mal frei laufen lasse, versuche ich möglichst vorausschauend zu sein, auf langen Geraden oder großen Wiesen, wo ich sehen kann, was um uns herum passiert oder ob uns jemand entgegenkommt. Kommen Kinder, ältere Menschen oder andere Hunde, nehme ich ihn an die Leine. Ich sammle auch die Hinterlassenschaften weg. Leider habe ich auch öfters Auseinandersetzungen mit anderen Hunden, meistens mit freilaufenden Hunden, die  nicht abrufbar, oder ohne Aufsicht waren. Situationen, die keiner braucht und meistens einfach vermeidbar wären.

Ende 2017 waren fast 80.000 Hunde in Hamburg registriert, Tendenz steigend. Wenn jeder das macht, was er will, ist das Resultat ein Chaos in den Parkanlagen und auf den Wanderwegen. Informationen, wie ich mich mit meinem Hund zu verhalten habe, was ich darf und was ich nicht darf, findet man z.B. im Internet. Wenn man es ganz genau für seinen Bezirk wissen möchte, findet man die Pflichten, Vorschriften, Freilaufzonen etc. bei www.hamburg.de. Jeder, der einen Hund hat, sollte sich mindestens einmal über die Leinen- und die Aufsichtspflicht informiert haben, denn – Unwissenheit schützt nicht vor Strafe! Und trotz Leinenbefreiung und Freilaufzonen gilt die Aufsichtspflicht immer und überall. Viele Wege führen nach Rom – ich finde es gibt nicht nur den einen richtigen Weg, seinen Hund zu erziehen, genau so wenig, wie es den einen richtigen Weg gibt, sein Leben zu führen. Es ist aber unablässig, dass man seinen Hund erzieht, egal nach welcher Methode - Hundeschule oder Trainer. Das Wichtigste ist der gegenzeitige Respekt und die Toleranz seinen Mitmenschen oder -hunden gegenüber. Da draußen gelten ganz einfache, allgemein bekannte Verhaltensregeln, mit oder ohne Hund. Jeder, mit dem ich über dieses Thema gesprochen habe, oder den ich interviewt habe, hat Ignoranz als das größte Problem gesehen und sich am meisten gegenseitige Toleranz gewünscht. Wenn wir alle an die gute Kinderstube zurückdenken, Rücksicht nehmen, uns so verhalten, wie wir es gerne uns selber gegenüber hätten, wären die Hundewiesen und -wege deutlich friedlicher. Und die allgemeine Akzeptanz den Hunden gegenüber sicherlich größer.

Einen lieben Dank an alle, die sich an dem Artikel beteiligt haben. An Hundetrainerin Monica Pertzsch von DailyDogs für die kompetente Beratung. Auch ein großes Dankeschön an all die Menschen, die ehrenamtlich im Dobermann Verein Hamburg, im Polizeihundeverein Alstertal und sämtlichen anderen Vereinen unermüdlich versuchen, das Hundeleben und -zusammensein zu verbessern! Ein großes Dankeschön auch an Oliver Lassen, der die wunderschönen Fotos von Akito für diesen Artikel gemacht hat!

Dobermann Akito

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