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Stefan Wulff
Es macht Spaß, Dinge zu bewegen

Stefan Wulff führt in dritter Generation eine der größten Hamburger Baufirmen. In Opium spricht Stefan Wulff über die beste Entscheidung seines Lebens, Dankbarkeit, City Nord, Chinesen, Holländer und die schönste Stadt der Welt. Stefan Wulff wurde 1965 in Hamburg geboren. Nach einer Ausbildung als Bankkaufmann und einem Architekturstudium, das er als Diplom-Ingenieur (Architektur) abschloss, war er zunächst in mehreren Unternehmen tätig. 1995 trat er in die Otto Wulff Bauunternehmung ein, die er seit 2000 als geschäftsführender Gesellschafter leitet. Stefan Wulff steht für das große Ganze und für ein modernes und familiäres Unternehmen.

Outdoor-Foto von Stefan Wulff vor grünem Bauzaun mit Logo
Stefan Wulff, geschäftsführender Gesellschafter von Otto Wulff Bauunternehmung

Was war Deine beste Entscheidung im Leben neben Deinem Studium?

Stefan Wulff Im Grunde genommen, nach dem Studium in die Firma meines Vaters zu gehen. Eigentlich wollte ich was anderes werden. Zuerst absolvierte ich eine Banklehre. Danach wollte ich Jura studieren. Ich hatte auch schon einen Studienplatz. Es kam aber anders. Nach der Zeit in der Bank, die sehr interessant war, habe ich festgestellt, dass ich etwas Praktisches machen möchte. Nur Zahlen war für mich zu wenig. Daraufhin fragte mich mein Vater, ob ich nicht mal für drei Monate auf dem Bau arbeiten möchte. Aus drei wurden zwölf Monate. Und aus dieser Erfahrung heraus, war für mich klar, dass ich Architektur studieren möchte. Es hat vielleicht alles etwas länger gedauert, war aber die beste Entscheidung meines Lebens.

War dieser Beruf auch etwas, was Deine Eltern von Dir erwartet haben?

Stefan Wulff Meine Eltern haben mich nie unter Druck gesetzt und hätten mir nie vorgeschrieben, was ich lernen oder studieren soll. Im Gegenteil, mein Vater hat mich oft gewarnt, da die Zeiten damals auf dem Bau nicht immer die Besten waren. Dafür war ich ihm auch dankbar. Am Ende habe ich dann ja auch selbst den Weg gefunden. Wenn man in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen ist und die „Ups and Downs“ miterlebt hat, hat es ja auch seinen Reiz, das Unternehmen weiterzuführen.

Apropos dankbar. Welche drei Dinge fallen Dir spontan ein, auf die Du in Deinem Leben stolz, oder für die Du dankbar bist?

Stefan Wulff Dankbar bin ich darüber, dass ich meine Frau kennengelernt habe und stolz bin ich auf unsere wunderbare Tochter. Überhaupt habe ich eine tolle Familie, die wirklich zusammenhält. Auch mit der angeheirateten Familie meiner Schwester verstehen wir uns prima. Familie ist so wichtig im Leben. Dafür bin ich sehr dankbar.

„Ich würde nichts rückgängig machen wollen und alles wieder so machen, wie ich es zu der Zeit entschieden habe.“

Gibt es eine Entscheidung in Deinem Leben, die Du gern rückgängig machen würdest?

Stefan Wulff Rückgängig würde ich nichts machen wollen. Auch eine im Nachhinein falsche Entscheidung hilft letztlich durchs Leben zu gehen und gehört einfach dazu. Es ist ein Stück Lebenserfahrung, die einen Menschen prägt. Nein, ich würde nichts rückgängig machen wollen und alles wieder so machen, wie ich es zu der Zeit entschieden habe.

Wenn ich richtig recherchiert habe, habt ihr zur Zeit ca. 20 Bauprojekte in Bearbeitung. Gibt es weitere, die vielleicht noch nicht bekannt sind?

Stefan Wulff Das aktuell größte Projekt ist das Tarpenbeker Ufer in Groß Borstel, wo zur Zeit ca. 750 Wohnungen entstehen. Es gibt zwei weitere große Projekte, über die ich erst nach der Beurkundung sprechen kann, die hoffentlich bald stattfindet. Das wird spannend, da sie im Herzen Ottensen gelegen sind. Hier wird alte Industriekultur kombiniert mit modernem Wohnungsbau und Büroflächen. Die werden zum Teil in den alten denkmalgeschützten Flächen untergebracht. Das Tolle ist, dass auch die alten Handwerksbetriebe erhalten bleiben trotz der Erneuerungen auf dem Gelände. Das gibt dem Projekt am Ende ein Gesicht. Es entstehen dort über 300 Wohnungen.

Auf was oder wen möchtest Du in Deinem Leben nicht verzichten? Was möchtest Du auf keinen Fall missen?

Stefan Wulff Es gelingt mir ganz gut, beruflichen Stress und private Dinge, die mir Spaß machen, in Balance zu halten. Ich glaube, das nennt man Work-Life-Balance. Das möchte ich versuchen, aufrecht zu erhalten. Weil man doch auch aus den Ruhephasen wieder Kraft schöpfen kann. Außerdem möchte ich auch mein Arbeitsumfeld, d.h. mein Team, das ich um mich habe nicht missen. Wie gesagt, hier eine Balance zu finden ist die Kunst.

Du verbringst sehr viel Zeit mit Deinem Team. Du legst wahrscheinlich sehr viel Wert auf Zufriedenheit und Freundlichkeit deiner Mitarbeiter?

Stefan Wulff Ja genau. Wir haben eine historisch gewachsene Unternehmenskultur, die daraus entsteht, dass das Umfeld, in dem unsere Mitarbeiter arbeiten, einfach Spaß macht und der Umgang miteinander vertrauensvoll ist. Die Menschen gehen gern zu Arbeit. Und das gibt mir die Chance, wirklich sechs Wochen im Jahr Urlaub mit meiner Familie zu machen. Mir ist es ganz gut gelungen, eine gute Mischung hinzubekommen.

Wunderbar! Das sehe ich genauso.

Stefan Wulff Dazu zählt natürlich Sport als Ausgleich. Im Winter Skifahren und im Sommer Golf spielen. Das klappt nicht jede Woche, aber missen möchte ich es auch nicht. Und es ist toll, wenn man sich dann 100 prozentig auf sein Team verlassen kann.

Das Bauunternehmen Otto Wulff ist alteingesessen und schon relativ stadtprägend. Gibt es Projekte, wenn Du die Chance hättest, sie zu verändern oder zu sanieren? Wenn ja, welche?

Stefan Wulff Das wären die City Hochhäuser. Wir haben uns auch beworben, sind aber in der Ausschreibung leider nur zweiter geworden. Ich finde es gut, dass diese Häuser abgerissen werden. Was dort jetzt hinkommt, kann nur besser werden. Ich würde aber gern das eine oder andere Gebäude in der City Nord ersetzen. Ich finde, dieser Teil der Stadt ist etwas ganz besonderes und sollte erhalten werden. Wir haben auch ein spannendes Projekt zusammen mit zwei Partnern in der City Nord. Die Postpyramide ist jetzt weg und es entsteht ein neues Bürogebäude, das zeitgemäß ist und vor allem auch Wohnungen enthält. Es ist ein toller zentraler Standort mit vielen Freiräumen, mit denen man behutsam umgehen muss. Einige Gebäude passen einfach nicht mehr in die heutige Zeit.

Sehr spannend ist auch die Entwicklung in Wilhelmsburg und des damals geplanten Olympiageländes im Hafen. Hier hätten wir schon große Lust, Projekte zu planen. Das ist irgendwie ein neues Stück Hamburg. Wir sind auch an der IGS mit dem Algen- und dem Hybridhaus vertreten und haben damit das erste IGS-Projekt realisiert. Keiner wollte das damals machen – und solche Projekte machen Spaß!

„Die Diskussion, dass Hamburg keine Hochhäuser haben darf, würde ich gern in Frage stellen.“

Apropos Spaß – was ihr im Laufe der Zeit in Hamburg gebaut habt, läuft ja meistens nach gewissen Standards. Du bist ja wahrscheinlich umgeben von einigen Visionären, die sagen: Wir bauen mal etwas ganz Verrücktes! Gibt es ein Projekt, wenn Geld keine Rolle spielt, was Du gern machen würdest?

Stefan Wulff Die Holländer bauen sehr gute Hochhäuser. Die Diskussion, dass Hamburg keine Hochhäuser haben darf oder nur an wenigen Stadtteilen, würde ich gern in Frage stellen. Eine tolle Hochhausarchitektur, wie man sie in anderen Ländern sehen kann, das wäre so eine Vision, die ich hätte. Man hätte den Platz, der der Stadt zur Verfügung steht, besser ausgenutzt.

Dieses intelligente Wohnen haben uns die Chinesen ja vorgemacht, weil sie nicht viel Platz zur Verfügung haben. In riesigen Anlagen haben sie kleine Wohnungen, haben aber in ihrem Wohnkomplex viele Gemeinschaftsräumen, wie z.B. eine gemeinsame Bibliothek, ein gemeinsames Restaurant oder Veranstaltungsräume. Wenn man ein Fest plant, bucht man dort einfach einen runden Tisch und hat einen Service. Ist das was, was hier auch umsetzbar wäre?

Stefan Wulff Eben wie bei den Holländern oder auch in Wien gibt es Gemeinschaftssaunen oder Bäder und es funktioniert dort. Das liegt vielleicht auch an der Mentalität der Menschen. Die Gemeinschaft muss dann damit auch verantwortungsvoll umgehen. Das wird in Deutschland auch ab und an gemacht, die Genossenschaften bieten auch Gemeinschaftsräume an. Da es immer Leute geben wird, die gegen die Regeln verstoßen, scheitert so etwas meist in Deutschland.

In China wird uns das ja schon vorgelebt, wohnen und leben in riesigen Komplexen.

Stefan Wulff Die Chinesen machen das. Und in Europa sind die Holländer ganz weit vorn. Wir haben uns gerade ein Projekt angeschaut, bei dem genau dieses Thema „kompakt in kleinen Wohnungen“ aktuell ist und es tolle Gemeinschaftsräume gibt, die von Innenarchitekten eingerichtet sind.

Man braucht zur Umsetzung solcher Ideen größere Einheiten an überbauter Fläche. Und in Deutschland wird auch gern aufs Geld geschaut. Das ist in anderen Ländern einfach anders.

Stefan, ein anderes Thema ist die Anbindung von Harburg an die City. Ist das eigentlich vom Tisch?

Stefan Wulff Durch die Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße passiert da ganz viel. Es wird Bauland frei für tausend Wohnungen mitten in der Stadt, zentral angebunden, mit der S-Bahn fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Da kommt noch viel Interessantes auf Hamburg zu; und Hamburg wird weiter wachsen. Ich wäre dafür, eine Diskussion über alle Gesellschaftsschichten hinaus, mit den Kirchen und der Politik zu führen als breit angelegten Dialog: Wo will Hamburg hin? Wollen wir wachsen oder soll alles so bleiben, wie es ist? Hier fehlt ein bisschen die Strategie. Es gibt keine Vision. Sollten die Kleingartenflächen vielleicht an den Stadtrand verlegt werden, um Flächenpotenzial zu gewinnen?

Viele Menschen beschweren sich, dass die letzten Oasen der Stadt in Bauland umgewandelt werden?

Stefan Wulff Natürlich! Darüber muss man nachdenken. Wenn wir die Chance haben, als Stadt weiter zu wachsen, dann müssen wir das auch wollen, oder eben nicht. Keiner will die Grünflächen Hamburgs vernichten. Aber diese Diskussion wird in der Gesellschaft nicht geführt, leider immer nur projektbezogen. Man muss in jedem Fall eine Strategie als Stadt haben und mit dem Thema behutsam umgehen.

Wo siehst Du Hamburg im Vergleich zu anderen großen Metropolen, wie London oder Paris? Wo steht Hamburg und wie weit wird es sich entwickeln? Wo siehst Du Hamburg in 50 Jahren?

Stefan Wulff Das ist eine schwierige Frage. Ich würde mir für Hamburg wünschen, dass wir die zweitgrößte Stadt Deutschlands bleiben. Dass die Arbeitsmarktsituation gut bleibt und alle gut wohnen können. Wir sind im Moment auf dem Weg, dass die Menschen sagen: bitte nicht bei uns! Darum mache ich mir ein wenig Sorgen um die Entwicklung. Wir haben keine klare Strategie und brauchen eine Vision. Wollen wir Wirtschaftsstandort Nr. 1 werden? Dann benötigen wir eine Universität mit Top-Professoren. Wir dümpeln in der Hochschullandschaft im unteren Mittelfeld dahin, wir sind nirgendwo so richtig Top. Es muss ein klares Bekenntnis der Politik und auch der Bürger dieser Stadt geben, weil wir etwas Besonders erreichen wollen. Vielleicht besteht die Gefahr, dass wir zu selbstverliebt sind in die „schönste Stadt der Welt“.

„Unser Flughafen ist ein Regionalflughafen, kein internationaler. Wir müssen mehr tun, damit Unternehmen nach Hamburg kommen.“

Wir leben in einer schönen Stadt. Wir sind natürlich auch verwöhnt durch den schönen Hafen und den stetig wachsenden Tourismus.

Stefan Wulff Ja, das auf jeden Fall. Aber auch hier fehlt eine Vision, über die diskutiert und ein breiter Konsens gefunden werden muss. Und diese Diskussion kommt nicht in Gang. Im internationalen Vergleich werden wir nicht wahrgenommen. Unser Flughafen ist ein Regionalflughafen, kein internationaler. Wir müssen mehr tun, damit Unternehmen nach Hamburg kommen. Internationale Firmen gehen nach Berlin, das ist selbstverständlich. Und junge Leute wollen auch nach Berlin.

Es fängt ja schon damit an, dass Wohnraum in Berlin wesentlich günstiger ist. Auch für junge Start-Up Unternehmen oder New-Economy Firmen sind die Büromieten viel günstiger.

Stefan Wulff Vielleicht ergänze ich noch, dass meiner Meinung nach Unternehmen insgesamt mehr Verantwortung tragen müssten. Dass wieder mehr Betriebe eine Ausbildung anbieten und das Potenzial für gesellschaftliches Engagement beispielsweise durch Stiftungen noch viel höher wird. Das müsste noch mehr passieren. Wir dürfen nicht immer alles auf den Staat schieben, sondern sollten Dinge selbst in die Hand nehmen. Das halte ich schon für wichtig.

Online otto-wulff.de

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