People
Blümchen
Ein Leben zwischen Pop und Bühne
Jasmin, du warst 15, als du mit Blümchen durchgestartet bist. Wie hat sich dieser frühe Ruhm für dich angefühlt?
Jasmin Wagner Wenn ich heute zurückblicke, denke ich oft: Zum Glück war ich so jung. Ich war offen, neugierig, wild entschlossen – und ich hatte dieses kindliche Staunen. Alles fühlte sich wie ein großes Abenteuer an. Dass ich meine Leidenschaft zur Realität machen durfte, war ein echtes Geschenk. Gleichzeitig war ich auch in einer Art Parallelwelt – während meine Klassenkameraden für Klassenarbeiten paukten, fuhr ich zu Fernsehshows. Es war intensiv, und es war prägend.
Die 90er gelten als goldene Ära des Pop. Was war für dich das Besondere an dieser Zeit?
Jasmin Wagner Techno war plötzlich überall – dieser treibende, elektronische Sound hat eine ganze Generation elektrisiert. Die Energie der Loveparade, das Aufbrechen alter Strukturen, das Spielerische. Die 90er waren ein buntes Jahrzehnt, voller Gegensätze – und vielleicht gerade deshalb bis heute eine nie versiegende Inspirationsquelle. Ich verbinde mit dieser Zeit vor allem ein Gefühl von Freiheit. Alles schien möglich. Und dieses Gefühl – das fehlt heute manchmal.
„Herz an Herz“ ist bis heute ein Ohrwurm. Was glaubst du, macht diesen Song so besonders?
Jasmin Wagner Der Song hat eine magische Melodie – sie bleibt einfach hängen. Und: Er hat Geschichte. Das Original stammt von Paso Doble aus den 80ern, meine Version hat ihm neues Leben eingehaucht. Ich spiele den Song bis heute gern live. Er verliert nie seine Leichtigkeit. Er ist wie eine musikalische Zeitkapsel – und es ist schön zu sehen, dass auch junge Menschen ihn heute wieder feiern.
Gibt es einen Titel in deinem Repertoire, der dir besonders nah ist?
Jasmin Wagner Ich sage das manchmal scherzhaft, aber es stimmt: Wäre ich nicht Blümchen geworden – ich wäre wahrscheinlich Blümchen-Fan. „Boomerang“ ist einer meiner Lieblinge. Der Song hat etwas Eigenwilliges. Eine gewisse Unberechenbarkeit, die ich sehr mag. Und er steht sinnbildlich für meinen Wunsch, immer wieder neu anzufangen – genau wie ein Boomerang, der zurückkehrt. Zum Tourauftakt habe ich gemeinsam mit Ellie Price ein musikalisches Statement gesetzt: Unsere neue Interpretation von „Boomerang“ verbindet den 90er-Kult mit zeitgemäßem Sound. Alte Melodie, frischer Beat – und eine klare Botschaft: Blümchen lebt im Hier und Jetzt weiter. Die Single ist bereits erfolgreich in die Charts eingestiegen, das Musikvideo wurde ebenfalls veröffentlicht und trifft bei der Fan-Community voll ins Herz.
2019 hast du Blümchen ein Comeback geschenkt. Warum dieser Schritt – und warum gerade da?
Jasmin Wagner Ich hatte mich viele Jahre in andere Richtungen bewegt – Theater, neue Musikprojekte, neue Erfahrungen. Aber irgendwann war klar: Die Energie, das Lebensgefühl von damals – das ist immer noch ein Teil von mir. Ich wollte es noch einmal spüren. Und es war genau der richtige Zeitpunkt. Der Zeitgeist hatte sich gedreht, die 90er waren zurück – nicht nur in der Mode, sondern auch in der Musik. Ich wollte Blümchen neu denken – als Superheldin, die aus den 90ern in die Zukunft reist, um Freude zu bringen.
Deine Fans begleiten dich oft schon seit Jahrzehnten. Was bedeutet dir diese Verbindung?
Jasmin Wagner Sehr viel. Wir sind gemeinsam erwachsen geworden. Viele, die früher mit Glitzer im Haar bei meinen Konzerten waren, bringen heute ihre Kinder mit. Musik wird zum Zeitreisemittel. Wir erinnern uns gemeinsam – und erschaffen neue Erinnerungen. Und das ist das Schönste: Wenn Musik Generationen verbindet.
Wie schafft man es, sich immer wieder neu zu erfinden – trotz eines so ikonischen Images?
Jasmin Wagner Ich glaube, man darf nicht zu verkopft sein. Ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl. Wenn ich etwas fühle, dann tue ich es. Meine Musik entsteht aus dieser inneren Wahrheit heraus – und meine Kollaborationen entstehen meist auf ganz natürliche Weise. Es geht darum, ehrlich zu bleiben. Vor allem zu sich selbst. Man darf sich nicht scheuen, neue Wege zu gehen. Ich habe gelernt: Die größte Treue ist die zu sich selbst.
Gab es Künstler:innen, die dich inspiriert haben – besonders am Anfang?
Jasmin Wagner Ich hatte gar nicht so viele klassische Vorbilder. Ich war ja mittendrin. Aber Gwen Stefani hat mich als Gesamtpaket beeindruckt. Ihre Wandlungsfähigkeit, ihr Look, ihre Haltung – das war immer mutig, nie angepasst. Und später haben mich auch Kollaborationen geprägt – zum Beispiel mit Finch oder Domiziana. Ich bin offen für neue Impulse, solange sie zu mir passen.
Neben der Musik hast du auch Theater gespielt, moderiert, geschauspielert. Was hat dich daran gereizt?
Jasmin Wagner Am Theater zu arbeiten war für mich wie ein zweites Leben. Ich durfte in ganz andere Welten eintauchen, andere Stimmen finden. Shakespeare, Goethe, Arthur Miller – das war intensive, tiefgehende Arbeit. Besonders berührt haben mich zwei Rollen: Sally Bowles in „Cabaret“ – und die Weltpremiere von „Alexandra“, über das Leben der großen Schlagersängerin. Ihre Lieder zu singen, war wie eine Reise in die Seele. Theater hat mich geerdet – es ist die Schule des Respekts vor dem Text, dem Moment und dem Gegenüber.
2025 gehst du mit deiner „30th Anniversary“-Tour auf große Abschiedstour. Was bedeutet dir dieser Moment?
Jasmin Wagner Ich habe mir die Zahlen angeschaut: Ich bin 45 – und stehe seit 30 Jahren auf der Bühne. Irgendwann muss man sich fragen: Wann ist der richtige Moment, um Tschüss zu sagen? Und für mich ist es jetzt. Ich will diese Party verlassen, wenn sie noch in voller Fahrt ist. Mit Glanz. Mit Gänsehaut. Mit einem Lächeln. Ich mache diesen Abschied bewusst. Ich möchte Platz schaffen – für das Neue.
Und danach? Was kommt nach Blümchen?
Jasmin Wagner Ich habe aufgehört, große Pläne zu machen. Ich lasse mich finden. Das Leben hat mich bisher nie enttäuscht. Ich bin neugierig auf das, was kommt – und ganz sicher: Es wird nicht langweilig. Ich bin Mutter, Künstlerin, Frau in Bewegung.
Einen Kommentar schreiben