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Stefan Eckert
Ein Designer mit markanten Dreadlocks legt neue Modetrends fest

Stefan Eckert startete seine Modekarriere in seiner Geburtsstadt Nürnberg. Hier widmete er sich hingebungsvoll dem Erlernen der hohen Schneiderkunst, die fortan seine Arbeit prägte. Der Designer absolvierte das Studium an der Hamburger AMD, arbeitete für Alexander McQueen in London und besuchte den Meisterlehrgang am renommierten Central Saint Martins College.

Stefan Eckert vor grauer Wand
Stefan Eckert

Im März 2009 gründete Stefan Eckert sein gleichnamiges Modelabel mit Sitz in Hamburg. Seiner Überzeugung und Leidenschaft folgend - für höchste Qualität in Material, Verarbeitung und perfekter Passform - konzipierte der Lederspezialist mit seinem Unternehmen einen zeitgenössischen Mix aus Ready-to-wear und anspruchsvollster Maßschneiderei.

Was hat Sie veranlasst, den gold-pastelligen Modesalon am feinen Mittelweg zu verlassen und in einen kühlen Shop mit Industrie-Charme am Überseeboulevard zu ziehen?

Stefan Eckert Die Hamburger Hafencity hat sich über die letzten Jahre zu einem sehr spannenden Ort entwickelt, der in vielen Bereichen für Innovation steht. Das Quartier hat eine gute Energie und zieht sowohl kreative Gewerbetreibende als auch Menschen aus aller Welt an, die jetzt natürlich primär nach Hamburg kommen, um die Elbphilharmonie zu besuchen. Davon profitiert die ganze Hafencity und es ist wirklich erstaunlich, wie populär das Bauprojekt auf internationaler Ebene ist. Für die Hamburger ist es wohl nach wie vor eher eine Liebe auf den zweiten Blick, aber auch hier vollzieht sich gerade ein durchaus positiver Wandel. Ich habe auch meine Zeit im Mittelweg genossen, vor allem die schöne Umgebung und die Nähe zur Alster. Aus kreativer Sicht ist es natürlich immer antreibend an einem Platz zu arbeiten, der im Aufbruch und in Bewegung ist. Dafür ist die Hafencity für mich im Moment der attraktivste Platz in Hamburg.

Würden Sie sagen, dass Ihr Erfolg etwas mit der Hansestadt Hamburg zu tun hat oder könnten Sie sich Ihr Geschäft auch woanders vorstellen?

Stefan Eckert Ich glaube, dass mein Konzept und meine Haltung zu Qualität, Service und Nachhaltigkeit sehr gut zu Hamburg passen. Die Wertigkeit meiner Arbeit wird hier sehr geschätzt und ich erreiche die Menschen mit meiner Vorstellung von Produkten, deren Haltbarkeit für eine komplette Lebenszeit bestimmt ist. Auch auf menschlicher Ebene habe ich mich in Hamburg sofort zuhause gefühlt, als ich vor ca. 20 Jahren zugezogen bin. Hamburg ist gleichzeitig eine sehr weltoffene und traditionsbewusste Stadt, was ich als einen sehr charmanten Mix empfinde. Diese Attituden sind für mich vergleichbar mit Paris, wo ich mittelfristig auf jeden Fall auch einen Standort sehe.

Sie machen Mode für „sexy, schöne Frauen mit einem guten Hüftschwung“. Sie sind für hochwertige Frauenmode, Lederjacken, Taschen bekannt. Wer ist Ihr Kundenklientel?

Stefan Eckert Prinzipiell kann man, glaube ich, sagen, dass mein Klientel eine gewisse Leidenschaft und ein Bewusstsein für hochwertige Produkte vereint.
Ich fertige Teile für Menschen an, von denen ich weiß, dass sie dafür lange gespart haben. Das ehrt mich sehr und drückt ihre Wertschätzung für meine Arbeit aus. Genauso habe ich natürlich Kundschaft, für die der finanzielle Aspekt eine untergeordnete Rolle spielt. Aber auch hier ist es schön zu wissen, dass Menschen, die auf der ganzen Welt unterwegs sind, sich Ihre Lederhose bei mir anfertigen lassen. Alles hat seine eigene Energie und ich genieße es sehr, mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen zukommen und zu arbeiten.

Warum fasziniert Sie Leder so sehr? Gibt es noch andere Materialien, mit denen Sie gern arbeiten?

Stefan Eckert Für mich spielt Nachhaltigkeit beruflich und privat eine sehr große Rolle und von daher ist Leder für mich das grundlegend attraktivste Material. Das Rohmaterial ist letztlich ein Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie und die Weiterverarbeitung ein Upcycling im besten Sinne. Die Produktion und Gerbung erfolgt zunehmend auf biologischer Basis und abhängig von der Verarbeitung entstehen lebenslang haltbare Produkte. Den Einsatz von Leder, das von Tieren stammt, die vorwiegend oder exklusiv für die Gewinnung ihrer Haut gezüchtet werden, lehne ich aus tiefster Überzeugung ab. Daher sind alle von meinem Atelier verwendeten Lederarten grundsätzlich kleinstanteilige Nebenprodukte aus den Lebensmittelindustrien der jeweiligen Ursprungsländer. Zu wahrer Nachhaltigkeit gehört für mich aber auch der verantwortungsbewusste Umgang mit menschlichen Ressourcen. Deshalb produziere ich ausschließlich in Deutschland.
Darüber hinaus hat Leder für mich einen sehr philosophischen Wert, da es erst mit der Zeit an Schönheit gewinnt und seine wahre Wirkung erst über die Gewinnung einer gewissen Patina entfaltet. Gerade in unserer heutigen, nach Perfektion strebenden Gesellschaft, finde ich den Ansatz von individueller Schönheit, die durch zugelassene Alterung entsteht, sehr erstrebenswert.

Wie können Sie sich gegenüber bekannten Designern, großen Marken und erfolgreichen Herstellern behaupten?

Stefan Eckert Mein Konzept basiert vor allem darauf, dass ich mich als Manufaktur verstehe und auf die Bedürfnisse meiner Kundschaft individuell eingehen kann. Dies ist vor allem bei der Erstellung der perfekten Passform sehr wichtig. Prinzipiell biete ich meine Kollektion auch als Ready-to-wear an, doch in der Praxis fertigen wir bestimmt über 95% der Teile als Maßanfertigungen an. Der Service kostet nur einen fast symbolischen Aufpreis von 200 Euro und ist bewusst kostengünstig gehalten. Ich möchte die Menschen damit motivieren, das Erlebnis eines maßangefertigten Lederteils zu erfahren. Meine Preise sind denen der großen Modehäuser relativ gleich, doch liegt mein Service in einer anderen Sphäre, als ihn Konzerne anbieten könnten. Viele namhafte Hersteller versuchen sich zwar mit einer Made-to-measure Sparte zu schmücken, doch handelt es sich dabei fast immer lediglich um eine Anpassung ihrer Konfektionsware. Die Unterscheidung in diesem Bereich ist für mich natürlich Vor- und Nachteil zugleich, weil sie mein Wachstumspotential beschränkt. Es ist sehr anspruchsvoll, ein Team für einen Standort aufzubauen, das auf so einem hohen Niveau, von der Schnitterstellung bis zum fertigen Produkt, eine perfekte Leistung abliefern kann. Sicherlich wäre es wirtschaftlich attraktiver, vorgefertigte Größen anzubieten, doch würde es mir persönlich, glaube ich, das Herz brechen, wenn ich eine Jacke von mir sehen würde, die ihrem/ihrer Träger/in nicht perfekt passt. Ich denke, jeder muss da seinen für sich verträglichen Weg gehen und meiner ist eben der des Couturier.

Haben Sie vor, noch weitere Läden in Hamburg oder Umgebung zu eröffnen?

Stefan Eckert Die Idee von mehreren Standorten in der gleichen Stadt finde ich relativ unsexy. Mein Ziel ist es ja schließlich nicht, Filialist zu werden. Für Menschen, denen es nicht möglich ist, uns im Atelier zu besuchen, biete ich seit Kurzem auch einen bundesweiten Home-Service mit einer meiner Schnittmacherinnen an.

Was sind Ihre Ziele und Träume für die Zukunft?

Stefan Eckert Ich plane in den nächsten Jahren weitere Standorte zu eröffnen und gehe dafür zunächst mit einem Pop-up Konzept auf Tour. Wir haben dort mit einem mobilen Atelier das gleiche Konzept wie in Hamburg abgebildet. Für 2018 sind bereits weitere Städte geplant.

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