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Laura Noltemeyer
Design-Dschungel

Laura Noltemeyer begeistert ihre 200.000 Instagram-Follower seit 2014 täglich mit neuen Styles und berichtet über ihre Reisen.

Laura, kannst du dich und deinen Blog zum Einstieg kurz vorstellen? Was verbirgt sich hinter „Designdschungel“ und wie bist du darauf gekommen?

Laura Noltemeyer Ich bin Laura, 30 Jahre alt und lebe in Hamburg. Meinen Blog „Designdschungel“ habe ich 2014 während meiner Masterthesis in Architektur gestartet. Während meines Studiums habe ich mich gefragt, wie ich mich von den anderen Absolventen abheben kann und wie ich es schaffen kann, dass ich mich neben der Arbeit in der Architektur noch durch etwas anderes hervortun kann – das war die Mode. Und so bin ich auf den „Designdschungel“ gekommen. Diesen Blog habe ich dann während der Thesis weiter ausgebaut und online gestellt und bei meinen Bewerbungsgesprächen gesagt: „Schaut doch auch mal auf meinem Blog Designdschungel vorbei. Dort mache ich auch andere kreative Sachen neben der Architektur.“ Der Blog hat sich dann so schnell entwickelt, dass bereits nach einem Monat der Sender RTL auf mich aufmerksam geworden ist. Sie haben meinen Blog im Internet gefunden und fanden gut, was ich mache. RTL hat mich direkt unter Vertrag genommen. So wurde ich medial gepuscht und habe auch eine eigene Fernsehwerbung bekommen. Dadurch wurde ich relativ schnell bekannt. Nachdem ich meine Masterthesis dann mit „sehr gut“ abgeschlossen habe, habe ich gemerkt, dass mir der Blog so viel Spaß macht und ich kreativ sein und mich selbst verwirklichen kann. Nach einem halben Jahr habe ich mich dann selbstständig gemacht, obwohl ich schon zwei sehr gute Angebote aus meinen Lieblingsbüros der Architekturszene in New York bekommen hatte. Zuerst war es für mich nicht wichtig, Geld damit zu verdienen und ich habe es nur gemacht, weil ich wirklich Lust darauf hatte.

Apropos Geldverdienen. Früher wurden Blogger belächelt und waren beinahe verpönt. Für viele Leute sind Blogs gar nicht greifbar und daher stellt sich für viele die Frage, wie du mit deinem Blog Geld verdienst.

Laura Noltemeyer Das ist ganz ähnlich wie bei einer Zeitung. Wir haben auch Werbepartner, die Anzeigen schalten, nur dass ich diese nicht so umsetze, wie eine klassische Werbung, sondern auf meine eigene kreative Weise. Für mich ist es wichtig, dass es zu mir und meiner Bildsprache passt, weil ich als Person dahinter stehe. Und auch für meine Leser soll es cool und interessant sein.

2006 behauptete Jean-Remy von Matt (Jung von Matt), Blogs seien die „Klowände des Internets“. Jetzt rudern die Agenturen zurück und schaffen neue digitale Plattformen.  Influencer werden als Werbekanal genutzt und diese nutzen für die Verbreitung dann die Sozialen Medien. Wie stehst du dazu, wie siehst du das?

Laura Noltemeyer Das kann ich natürlich gar nicht bestätigen. Ich verstehe, dass es am Anfang befremdlich war, da es eine andere Art von Werbung ist. Mittlerweile werden Blogs immer ernster genommen, da wir Meinungsmacher sind und eine andere Zielgruppe erreichen. Wir wissen genau, was unsere Leser interessiert. Mit unserer Meinung können wir wirklich tolle Dinge erreichen. Wir haben z.B. einen eigenen gemeinnützigen sozialen Verein, JUAMII, den wir mit unserer Reichweite von Designdschungel gut puschen können. Riccardo Simonetti, ein guter Freund von mir aus Berlin, nutzt seine Reichweite, um sich für Gender diversity und gegen Mobbing einzusetzen. Es ist toll, was man machen kann.

Influencer sind (nach Freunden und Kundenbewertungen) die glaubwürdigste Quelle für Produktempfehlungen. Wichtiger als Zeitungen und TV-Spots. Inwiefern sind Influencer glaubwürdiger als andere Menschen?

Laura Noltemeyer Der Unterschied ist, dass es authentisch und emotional ist, wenn ich etwas empfehle. Die Leute folgen mir, weil sie meine Meinung wertschätzen. In Zeitungen findet man nur gekaufte Anzeigen von Firmen, aber wenn ich etwas zeige, erkläre ich auch, warum ich dieses Produkt toll finde, setze es in Szene oder trage es selbst. Ich stehe hinter dem Produkt und kann es vertreten.

Was ist das Spannendste an deinem Job?

Laura Noltemeyer Dass kein Tag dem anderen gleicht. Ich habe Interviewtermine, bin viel unterwegs, sitze aber auch am Schreibtisch – es ist immer etwas los. Ich kann mir die Tage so einteilen, wie ich es möchte und kann kreativ sein.

Was war bisher dein schönstes Blog-Erlebnis?

Laura Noltemeyer Es gibt zwei. Zum einen habe ich gemerkt, dass ich durch meine hohe Reichweite tolle Sachen unterstützen kann. Mit unserem gemeinnützigen Verein statten wir Schulen in Afrika mit Photovoltaik-Inselanlagen inklusive Solarstromspeicher aus. Dank der Power des Internets konnten wir unsere Ziele viel schneller erreichen als erhofft. Das zweite tolle Erlebnis war, als meine Oma mich angerufen hat und sagte: „Laura, ich habe dich gerade im Fernsehen gesehen. Ich glaube, ich weiß jetzt, was du machst.“

Viele denken immer „was für eine coole und tolle Welt als Bloggerin“, sehen aber nicht, was alles dahinter steckt. Sie denken an ein Mäuschen, dass ein bisschen Make-Up und einen hübschen Pulli trägt und damit auch noch Geld verdient und den ganzen Tag frei hat. Aber wie sieht dein Alltag wirklich aus? Der wird sicherlich sehr durchgetaktet sein.

Laura Noltemeyer Ja, definitiv. Ich kann es den Leuten nicht verübeln, es soll ja schön aussehen und ich versuche, alles im schönsten Licht darzustellen. Aber mein Tag fängt meistens um acht damit an, meine E-Mails zu checken. Danach besprechen mein Partner Julian und ich uns, arbeiten Projekte ab, haben Kreativmeetings, machen Fotos, stellen Outfits zusammen. Auch die Texte müssen geschrieben werden und zwischendurch poste ich auf Instagram und auf dem Blog. Außerdem führen wir Telefonate, Julian handelt die Verträge aus und abends finden dann Events statt, auf die ich gehen muss. Am nächsten Tag muss ich dann um 4 Uhr aufstehen, da der Flieger um 6 Uhr morgens geht. Gerade auch die Fashionweeks sind sehr anstrengend wegen der vielen Events, auf denen man oft von den Designern ausgestattet wird und sich oft zwischendurch umziehen muss. Das anstrengendste ist, dass man nie frei hat. Ich schaue sogar nachts auf mein Handy, wenn ich E-Mails bekomme oder Blogger aus LA online sind. Wenn ich nicht schlafen müsste, könnte ich 24/7 arbeiten. Aber meistens hört mein Tag um 22 Uhr auf, wenn ich das letzte Posting gemacht habe.

Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der gerne Blogger werden möchte? Wie erlangt man eine so große Reichweite?

Laura Noltemeyer Man muss mit Passion dabei sein und darf nicht erwarten, dass man über Nacht groß wird. Klar gibt es Ausnahmen, aber das ist normalerweise nicht der Fall und hat auch viel mit Glück zu tun. Ich habe seit viereinhalb Jahren jeden Tag etwas gepostet, habe keine Pause gemacht. Man muss bereit sein, mehr zu tun als andere, die angestellt oder nicht selbstständig sind. Man muss dahinter stehen und mit Leidenschaft daran arbeiten – dann merken die Leute das auch.

Findest du, dass Hamburg ein guter Standort für Blogger ist? Oder warum hast du dich für die Hansestadt entschieden?

Laura Noltemeyer Ja, auf jeden Fall. Die besten und größten Blogger aus Deutschland wohnen in Hamburg, würde ich behaupten. Natürlich gibt es auch andere, aber wir haben hier in Hamburg eine super Community und dadurch super viele Events. Und hier in Hamburg sitzen viele PR Agenturen und Magazine. Außerdem braucht man nicht lange zum Flughafen und zum Hauptbahnhof, was für mich das Wichtigste ist. Das ist eine große Zeitersparnis im Vergleich zu anderen Städten.

Was oder wer inspiriert dich am meisten?

Laura Noltemeyer Mich inspirieren unter anderem internationale Blogger, wie z.B. Leandra Medine von Man Repeller. Das sind sehr kreative Blogger aus New York. Aber auch Kunst-magazine und Architekten inspirieren mich, eben eine Mischung aus alldem. Ich folge z.B. ein paar Travel Bloggerinnen und Beauty Blogs. Eben Leute, die coolen Content machen.

Im Gegensatz zu anderen Bloggern hast du dich nicht so streng auf eine Sache spezialisiert. Du bist mit Design viel breiter aufgestellt, hast deine eigene Kollektion herausgebracht. Passt es gut zu deinem Leben auch in deinem Blog so facettenreich zu sein?

Laura Noltemeyer Am Anfang hatte ich nur geplant, Fashion und Architektur auf dem Blog zu posten, aber dann hat sich das weiterentwickelt. Ich habe gemerkt, ich interessiere mich auch für andere Dinge wie Reisen und Lifestyle. Nachdem ich diese Themen mit in den Blog aufgenommen habe, konnte ich mich immer mehr darin wiederfinden. Das Wichtigste ist, dass ich meinen Leuten zeige, wofür ich stehe. Ich habe zum  Beispiel eine Tapetenkollektion herausgebracht - wer spricht schon über Tapeten. Aber hinterher ist es auf einmal cool und interessant.

Gibt es jemanden, mit dem du gerne einmal einen Tag tauschen würdest?

Laura Noltemeyer Mit einem Astronauten. Aber bezogen auf Blogger würde mich interessieren, wie ein Tag von Chiara Ferragni aussieht. Sie war eine der ersten Bloggerinnen und hat das Bloggen zum Business gemacht. Sie hat ein Millionenunternehmen gegründet mit wirklich vielen Mitarbeitern. Aber noch mehr würde mich der Tag von Elon Musk interessieren. Er hat so viel geschaffen. Ich würde gerne sehen, wie er lebt, was er morgens macht und was sein Geheimnis ist. Wie findet er seine Ideen, ist er alleine unterwegs oder hat er immer sein Team bei sich? Das fände ich sehr interessant.

Eine Woche ohne Internet, Handy und all die typischen Blogger-Gadgets – kommt so etwas für dich in Frage, oder hast du es schon mal ausprobiert?

Laura Noltemeyer Das habe ich zwar noch nie gemacht, aber ich würde es gerne einmal ausprobieren. Ich merke, dass es wichtig ist, sich Auszeiten zu nehmen, wenn man so viel am Handy und in der Social Media Welt unterwegs ist. Am Anfang wäre es vielleicht komisch. Aber ich glaube ich hätte kein Problem damit und es würde mir sicher gut tun.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Laura Noltemeyer Ich wünsche mir für die Zukunft, dass noch mehr Leute ihre Reichweite für mehr positive Dinge nutzen und sich mehr engagieren und an die wichtigen Dinge im Leben denken.

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