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David Tollmann
Color me wild!

Es sind die Augen der Frauen, die ihn faszinieren. Augen, die David Tollmann zunächst skizziert. Um sie herum Gesichter, Körper kreiert. Großformatige farbenfrohe Feuerwerke aus Acryl und Ölkreide. Wild, sensibel und sinnlich in der Strichführung - Umrisse, Linien, geometrische Formen. Werke des international renommierten Künstlers sind von nun an dauerhaft in der Galerie ‚Daniel und die Kunst‘ zu sehen. Wir haben mit ihm und den Galeristen Bianca und Volker Daniel gesprochen.

David Tollmann, Bianca Bödeker, Bianca & Volker Daniel

Was macht sie aus - die Faszination Frau, David Tollmann?

David Tollmann Ich finde Frauen schön - die Figur, die Grazie, das Antlitz. Ohne Frauen gibt es kein Leben. Damit beschäftige ich mich gerade sehr, im September kommt unser erstes Kind zur Welt. Der Körper meiner Frau verändert sich täglich. Auch schwanger ist sie wunderschön.
Heute machen alle auf Gender und Gleichberechtigung, präsentieren sich trotzdem im Stringtanga auf Instagram und prostituieren sich damit online. Was für eine Doppelmoral! In meinen Bildern zeige ich: Auch schöne Frauen lassen sich stark, sinnlich und souverän darstellen.

Das Herz deiner Bilder sind die Augen.

David Tollmann Augen sind für mich der Spiegel der Seele. Ist meine Frau glücklich, kann ich ihre Augen im Dunkeln leuchten sehen. Sie sind tatsächlich das Erste, was ich zeichne und das Letzte, was ich mit der Farbtube berühre. Jedem meiner Bilder gebe ich mit drei finalen Lichtpunkten im Auge den sogenannten Mona Lisa Blick. Knipse so symbolisch den Lichtschalter an und erwecke das Bild zum Leben. Diese visuelle Täuschung vermittelt dem Betrachter aus jedem Blickwinkel das Gefühl, er wird angeschaut.

Inspiriert auch deine Frau dich künstlerisch?

David Tollmann Natürlich. Allerdings hat sie keinen Bock, sich dauernd von mir malen zu lassen. Mittlerweile male ich vom Foto. Das ist beruhigender. Ich habe Hunderte Schwarzweiß-Fotos von Models auf dem Computer, fertige daraus Zeichnungen und übertrage diese großformatig auf die Leinwand. Das, was ich sehe, entfremde ich und setze es um in eine moderne Variante.

Du lebst und wirkst aus einer komplexen Gedanken- und Gefühlswelt heraus. Deine Porträts sind energiegeladen, frisch, gefühlvoll. Sie heißen Jacky, Isabella oder Dame Colorée - wie kommt der Name zum Bild?

David Tollmann Das ist tatsächlich interessant. Ich habe heute Morgen in meinem Atelier gesessen und ‘ne Krise gekriegt, weil mir der letzte Titel für ein Bild dieser Ausstellung noch fehlte. Der Name sagt wie bei Menschen viel über die Wahrnehmung aus. Deswegen lerne ich das Bild immer selbst erst kennen und finde dann heraus, wie es heißt.

Volker, ihr habt David zum ersten Mal auf seiner Ausstellung im Stilwerk Düsseldorf getroffen. Worin lag der Schlüsselmoment eurer Begegnung?

Volker Daniel David ist ein unglaublich energievoller Mensch, bei dem ich sofort sein Brennen für seine Kunst gespürt habe. Der Funke ist übergesprungen. Diese Kraft findet sich in seinen Werken wieder. Er kann sehr laut, ist aber voll Gefühl.

Bianca, was macht David so einzigartig?

Bianca Daniel Aus der Galeristen Perspektive ist es vor allem sein prägender Stil, der sehr individuell, ausdrucksstark und dynamisch ist. David hat einen ganz bestimmten Schwung, mit dem er großzügig und expressiv markante Elemente direkt aus der Tube auf die Leinwand bringt. Seine Werke sind einfach von Anfang an da. Immer wieder eine Explosion. Sehr unmittelbar damit in Zusammenhang steht für uns immer der Mensch. Wenn’s auf der Sympathieebene nicht harmoniert, dann funktioniert auch der Rest nicht.
Weil ich Einblick in seine Prozesse haben durfte, mag ich auch seine Herangehensweise an Werke oder Projekte. Er lässt sich ähnlich inspirieren wie ich nahezu von allem. Ob große Meister wie Picasso, neue Techniken oder die irre Bilderflut der sozialen Medien. Alles prasselt auf uns ein. Und das, was hängenbleibt, hat durchaus Einfluss auf die Weiterentwicklung der eigenen Kunst.

Bianca, du hat es gerade angesprochen. Du bist nicht nur Galeristin, sondern auch erfolgreiche Malerin. Und hast dir ebenfalls die Frau zum Thema deiner Bilder gemacht. Was verbindet David und dich als Künstler?

Bianca Daniel Zuerst einmal verbindet uns beide sicherlich eine große Leidenschaft. Einerseits zur Kunst, andererseits zum Thema Frau als Kunstobjekt. Frauenkörper und Gesichter reizen mich wegen ihrer Ästhetik, aber auch aufgrund der Emotionen, die sich vollkommen unterschiedlich äußern - in Mimik, in Gestik, in Blick, in Haltung.
Den Stil unserer beider Arbeitsweisen würde ich als grafisch bezeichnen. Ich war schon immer so. In meinem Beruf als Designerin genauso wie in der Malerei. In den vergangenen Jahren habe ich begonnen, diese Klarheit vermehrt aufzulösen und sie um abstrakte, dynamische oder auch ganz ruhige Elemente zu ergänzen. Bis hin zu komplett abstrakten Arbeiten. Aber ich kehre auch immer wieder zurück zum Ursprung meiner Arbeiten, den konkreten, grafischen Darstellungen der Frau. '
Diese vermeintlichen Gegensätze machen ganz unterschiedliche Dinge mit mir. Male ich abstrakt, ist mein Kopf unruhig. Ich bin getrieben davon, immer mehr zu machen, denke schon im Prozess des Werkes an die drei nächsten. Bei den Frauen ist das anders. Sie beruhigen mich. Wenn ich sie male, spielen sie die Hauptrolle. Auf der Leinwand und im Kopf.

Sylt, Mallorca, Moskau, Neu-Delhi – deine Werke sind international zu sehen, David. Nun auch hier in Hamburg-Othmarschen. Was begeistert dich an Bianca und Volker Daniel?

David Tollmann Es war Sympathie auf den ersten Blick. Für mich sind Bianca und Volker in erster Linie Mensch. Erst dann sehe ich die Galeristen in ihnen. Hinter ihrer Galerie steckt ein wohnliches Konzept, kombiniert mit Kunst. Es ist ein Ort der Ruhe und positiven Energie.

Du selbst bist getrieben von Unruhe, sagst von dir: Malen ist Meditation. Malen ist mein Leben!

David Tollmann Ich war ja mal Koch und kann sagen: Malen ist wie Kochen. Ein Prozess, den mein Gehirn versteht, bei dem ich abschalten kann. Malen beruhigt mich. Es bringt mich in Trance.  

Man könnte sagen, das Talent wurde dir in die Wiege gelegt. Als Sohn des Künstlers Max Tollmann und Enkel des Kunstprofessors und Künstlers Günter Tollmann bist du der dritte in der Künstlerdynastie.

David Tollmann Eins vorweg: Großgeworden bin ich bei meinem Stiefvater Joachim Henne. Für mich ist er Vater durch und durch. Er hat mich zu einem guten Menschen erzogen. Mir Pinkeln im Stehen beigebracht (lacht) und mich von klein auf in Museen, Opern, Musicals geschleppt hat. Dafür bin ich ihm noch heute dankbar. Ich war sehr schwierig als Kind, energetisch nicht zu bändigen. Habe immer gern gebastelt und gemalt. Als Teenager dann das erste Mal bewusst meine Freundin. Eine schöne Frau, die ich beeindrucken wollte. Irgendwann war klar: Das geht in die Richtung.

Erst mal bist du in die Gastronomie abgebogen.

David Tollmann Ich war 18, wollte Geld verdienen und das Leben genießen. Hab‘ zunächst als Barkeeper angeheuert, Partys veranstaltet, im Theater gearbeitet. So ein bisschen Cirque du Soleil Leben. Eine wilde Zeit! Wenig Kohle, viele Mädels. Nach dem Feiern habe ich nachts oft noch in meiner Wohnung gemalt. Auch mal die beiden kanadischen Artistinnen aus dem Theater- die waren ja oft nackig…

2014 war dein Durchbruch mit einer Ausstellung im Hannoveraner Spitzenrestaurant „Der Zauberlehrling“.

David Tollmann Das war mein Debüt. Der Betreiber ist ein guter Freund, den ich noch aus meiner Gastronomiezeit kenne. Er ist Kunstsammler und Förderer von Nachwuchskünstlern. In seinem Restaurant machte er vor zehn Jahren meine erste Ausstellung möglich, auf der ich sogar einige meiner Bilder verkauft habe. Danach verhalf er mir mit einer Geldspritze zu meinem ersten Atelier. Das vergesse ich ihm nie.

Im selben Jahr hast du den Andy Warhol Art Exchange Preis für junge Kunst gewonnen. Die Bilder waren im Vergleich zu heute eher düster. Wer hat Licht in dein künstlerisches Leben gebracht?

David Tollmann Ganz entscheidend meine Frau! Mit ihr ist mein Leben in den vergangenen Jahren farbenfroher, zuversichtlicher geworden. Trotz einer schwierigen Zeit, in der mich mein Ex-Management finanziell fast ruiniert hätte. Gemeinsam haben wir auch das durchgestanden.

Du malst gern bei klassischer Musik.

David Tollmann Der hochfrequentierte Klang bringt mich immer wieder ins Gleichgewicht. Bin ich gut drauf, male ich viel mit Blumen. Und habe ich mal richtig schlechte Laune, drücke ich zwei Stunden lang Rap durch. Das Bild wird dann meist wild.

Du gibst kostenlose Malkurse für Kinder. Warum ist analoges Handwerk so wichtig in dieser digitalen Zeit?

David Tollmann Weil handwerkliche Tätigkeiten für die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten, der Psyche und Persönlichkeit wichtig sind. Wenn ich sehe, wie Eltern ihre Kinder mit iPads ruhigstellen, und das junge Gehirn so keine Aufgabe mehr zu bewältigen hat, dann treibt mich das um. Kinder brauchen Erfolgserlebnisse. Das erhöht die Entschlussfreudigkeit, Neues, Kreatives auszuprobieren. So wie bei mir damals. Und das möchte ich weitergeben.

Zurück zur aktuellen Ausstellung: Volker, wie habt ihr diese zusammengestellt?

Volker Daniel David hat mit der neuen Serie ‚Masterpieces‘ seinen Malstil komplett weiterentwickelt. Mit der Ausstellung in unserer Galerie hat er einen neuen Meilenstein gesetzt. Er wird Vater, er löst sich aus alten Verbindungen, er malt weniger graphisch, detaillierter und expressiver, gepaart mit einer bisher nicht dagewesenen Weichheit. Wir wollten in erster Linie deshalb möglichst viele seiner neuen Werke zeigen, plus ein paar von der letzten Serie, um den Vergleich darzustellen.

Bianca und David, eine Frage an euch beide: Könntet ihr euch auch mal eine gemeinsame Ausstellung vorstellen?

Bianca Daniel Kann ich mir sehr gut vorstellen. Sowohl eine Ausstellung, aber auch das gemeinsame Schaffen von Kunst. Ich mag Künstlerkooperationen sehr. Wir haben 2021 ein sehr großes Projekt mit Arbeiten unterschiedlicher Konstellationen von KünstlerInnen ins Leben gerufen und begleitet. Ich persönlich kann mir eine künstlerische Zusammenarbeit dann vorstellen, wenn ich merke, dass die Energie stimmt und es einen gegenseitigen Respekt vor der Arbeit des anderen gibt. Bei David ist das auf jeden Fall so. Die Idee einer solchen Kooperation haben wir sogar schon formuliert.

David Tollmann Wir haben schon vor einiger Zeit darüber gesprochen, in meinem Atelier an einem gemeinsamen Projekt zu arbeiten. Der Gedanke, das Ganze auf Mallorca zu machen, gefällt mir aber noch viel besser. Ich stelle mir eine oder mehrere Arbeiten vor, darunter ein übergroßes Format, auf dem wir uns austoben können und das definitiv nicht ohne Weiteres in einen Transporter passt.

Zum Abschluss ein Blick in dein Privatleben David: Mallorca ist euer neuer Zweitwohnsitz - neben dem Zuhause in der Wedemark. Im September werden deine Frau und du Eltern…

David Tollmann Wir haben uns bewusst entschieden, in die Wedemark zu ziehen, wohnen mitten im Wald. Hier ist es ruhig und friedlich, mit guter Infrastruktur. Ich freue mich schon sehr, von nun an auch auf Mallorca zu malen - das Baby vor den Bauch geschnallt und Klassik auf dem Ohr…

Wie entspannst du?

David Tollmann Jeder Tag ist eine neue Herausforderung für mich. Der ewige Spagat zwischen Künstler, Kaufmann, Designer, Handwerker, Gärtner, Tiertrainer. Vieles bleibt auf der Strecke, weil ich mich schon sehr für die Kunst aufopfere. Ich bin auch noch Privatperson, Ehemann, werdender Vater und liebe meine Familie über alles. Auch unsere drei Hunde zählen dazu. Wenn ich auf dem Sofa sitze mit Panikattacken vom Stress, dann spüren die das und legen sich zu mir. Die sind so ehrlich. Das kann einen total heilen.

David Tollmann // Masterpieces (Ausstellung)
Daniel und die Kunst · Emkendorfstr. 1 · 22605 Hamburg
T 040 - 5 22 99 33 - 33
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David Tollmann
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