Zurück

Dr. Christian von Boetticher
Bessere Ernährung seit 1820

Jeder kennt sie – die blaue Verpackung mit der Aufschrift „Blütenzarte Köllnflocken“. Doch wo kommt sie eigentlich her und was verbirgt sich hinter dem Namen Kölln? Die Anfänge der Peter Kölln GmbH & Co. KGaA liegen bereits einige Zeit zurück, nämlich Ende des 18. Jahrhunderts. Mit einer kleinen, pferdegetriebenen Grützmühle versorgte Hans Hinrich Kölln von Elmshorn nach Grönland auslaufende Seefahrer mit Schiffszwieback. Nach seinem Tod ist das Geschäft übergangsweise von seiner Frau weitergeführt worden, bis sein Sohn Peter alt genug war, um im Jahre 1820 das heutige Industrieunternehmen zu gründen.

Schüssel mit Haferflocken auf einem Tisch
Porträt von Dr. Christian von Bötticher vor schwarzem Hintergrund
Dr. Christian von Bötticher, Geschäftsführung Peter Kölln GmbH

Kölln entwickelte sich neben seinem Getreidegroßhandel, der bislang der wirtschaftliche Schwerpunkt des Unternehmens war, im Laufe der Jahrzehnte zu einem bedeutenden Verarbeiter von Hafer. In die Modernisierung der Produkte investierte das Unternehmen kontinuierlich, um stets das Beste aus dem Hafer zu gewinnen.

In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts sind die Haferflocken erstmalig in kleinen Haushaltspackungen auf den Markt gekommen. Mit der hellblau-dunkelblauen Packung und mit den 1938 als Warenzeichen eingetragenen „Blütenzauber Köllnflocken“ schuf Peter Kölln das Flaggschiff des Unternehmens und damit eine der bekanntesten deutschen Markenikonen.

Im Stadtzentrum von Elmshorn ist Kölln seit fast 200 Jahren unternehmerisch tätig. Wie ist es dazu gekommen, dass Sie Geschäftsführer dieses Traditionshauses geworden sind?

Dr. Christian von Boetticher Im August 2015 erkrankte Prof. Dr. Hans Heinrich Driftmann, der als Schwiegersohn von ­Ernsthermann Kölln das Unternehmen 27 Jahre in sechster Generation geführt hatte, mit 67 Jahren unheilbar. Die Ärzte diagnostizierten nur noch eine kurze Lebenserwartung. Seine Tochter Friederike, die die Geschäftsführung später einmal übernehmen sollte, war zu diesem Zeitpunkt 24 Jahre alt und noch in der Vorbereitung auf ihr erstes juristisches Staatsexamen. Die Familie suchte daher jemanden, der über Führungserfahrung und Kenntnisse in der Lebensmittelbranche verfügt, international agieren kann und das Unternehmen wie ein Familienmitglied leitet. Dazu muss man die Veranlagung haben, nicht in Quartalen, sondern in Generationen zu denken. Aufgrund der langjährigen Freundschaft zur Familie Driftmann hat man mir das offensichtlich zugetraut, sodass ich noch von Hans Heinrich Driftmann vor seinem Tode mit einem ungewöhnlich langen Geschäftsführungsvertrag über zehn Jahre und mit umfangreichen Rechten ausgestattet wurde.

Mit seinen 335 Mitarbeiter/innen, sowie vielen Auszubildenden erwirtschaftet das Unternehmen einen Jahresumsatz von knapp 129,1 Millionen Euro. Wie groß ist der Druck, die Erwartungen aller zu erfüllen?

Dr. Christian von Boetticher Die Erwartungen aller kann man nie erfüllen. „Everybody’s darling is everybody’s Depp“, sagte Franz Josef Strauß einmal. Mein Ziel ist es, meiner designierten Nachfolgerin Friederike Driftmann eines Tages ein gut am Markt platziertes Unternehmen zu übergeben, das sich durch die getroffenen strategischen Entscheidungen als Familienunternehmen auch in den nächsten 30 Jahren behaupten kann. Um mit den multinationalen Konzernen in unserer Branche mithalten zu können, muss die Firma Peter Kölln in den Bereichen Umsatz und Ertrag wachsen und sich den Herausforderungen der vierten Industriellen Revolution, der Digitalisierung, stellen. Und dies, ohne dabei seinen sozialen Umgang mit seinen Mitarbeitern und die hohe Verantwortung für Qualität zu vernachlässigen.

Auch Traditionsmarken können durch Fehlinvestitionen, Familienstreitigkeiten oder Stagnation vom Markt verschwinden. Welche Strategie haben Sie, um die Unabhängigkeit des Familienunternehmens aufrecht zu erhalten?

Dr. Christian von Boetticher Wir haben gerade eine Strategie „Kölln 2025“ beschlossen, mit der wir die Zukunftschancen auf dem Nahrungsmittelmarkt noch besser ergreifen werden. Wir müssen zum einen in der Produktion effizienter werden, zum anderen unsere Marktchancen als Deutschlands größter Haferverarbeiter stärker nutzen. Dazu stellen wir die Markenführung und die Innovationsentwicklung im Hause neu auf, werden uns aber auch weitere Markenkäufe und erstmals die Investition in Start-Up zutrauen. Der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle durch die Digitalisierung kommt dabei eine große Bedeutung zu. Aber auch eine neue Internationalisierungsstrategie mit Schwerpunkten in der EU und Asien steht auf dem Programm. Derzeit liefern wir Kölln-Produkte in 35 Länder.

Peter Kölln nutzt den Leitsatz „Für bessere Ernährung. Seit 1820“. Diesem Anspruch fühlt sich das Unternehmen Peter Kölln bis heute verpflichtet. Zu dem Unternehmen gehören renommierte Lebensmittelmarken, die alle auf eine lange Tradition zurückblicken. Premiumqualität, innovative Produkte und das Vertrauen der Kunden. Welche Marken stehen im Fokus und welche sind noch zeitgemäß?

Dr. Christian von Boetticher Auch in einem Zeitalter, in denen Nahrungsmittelhersteller Lösungsanbieter für den Menschen werden müssen, spielen Marken mit ihrer vertrauten und wertgeschätzten Qualität eine große Rolle. Die Firma Peter Kölln hält neben der Traditionsmarke Kölln mit den bekannten Köllnflocken und Müslis auch die Markenrechte an den großen Speiseöl- und Fettmarken Mazola, Biskin, Livio, Palmin und Brecht‘s sowie an Pomps Kindergrieß und Edelweiß Milchzucker. Das sind alles Traditionsmarken, Mazola seit 1911 und Palmin sogar seit 1887. Natürlich müssen Marken immer wieder zeitgemäß ausgerichtet werden. So ist es z.B. heute notwendig, darauf hinzuweisen, dass Palmin trotz des Namens nicht aus Palmöl, sondern aus Kokosöl hergestellt wird, weil die Menschen hinsichtlich der Anbaumethoden sensibilisiert sind. Ansonsten werden wir alle unsere Marken mit einer konsequenten Markenführung unterstützen.

Wie wichtig ist es, mit den Kunden stärker in Kontakt zu treten und durch deren Bedürfnisse und Essgewohnheiten die Bandbreite von neuen Produkten zu erweitern?

Dr. Christian von Boetticher Über unsere Marken-Webpages, aber auch über die Social-Media-Kanäle können wir heute direkt mit dem Kunden in den Dialog treten. Dies war bisher nicht möglich, da wir als Lebensmittelproduzent ausschließlich den Lebensmitteleinzelhandel beliefert haben. Nun ist es uns möglich, unsere Kunden und ihre Bedürfnisse zu analysieren, z.B. hinsichtlich gewünschter Inhaltsstoffe, Portionsgrößen, Verzehrsgewohnheiten oder Produkterwartungen. Wenn z.B. das typische Familienfrühstück immer mehr zurückgeht, hat das Auswirkungen auf unsere Verpackungsgrößen, aber auch auf die Art, den Hafer auf den Tisch zu bekommen. Mittags isst der Mensch anders als morgens. Über unseren Hamburger Flagship-Store sind wir in der Lage, neue Zutaten und Produkte direkt auszuprobieren und auf Kundenrelevanz zu überprüfen. Bei großem Zuspruch lassen sich dann zielgenau Standardprodukte entwickeln – zu einem erschwinglichen Preis.

Um seine Existenz muss nur der fürchten, der weder innovativ ist noch die Chancen der Digitalisierung nutzt.

Inwieweit zwingen Müsli-Konkurrenten wie Oetker, Nestlé und Kellogg das Traditionsunternehmen Kölln, die Produktion umzustellen und wer hat - wenn überhaupt - um seine Existenz zu fürchten?

Dr. Christian von Boetticher In der Nahrungsmittelbranche geht es bisher um Qualität und Vertrauen, aber auch um Kosten. Konkurrenten sind nicht nur die globalen Nahrungsmittelkonzerne mit ihren Produkten, sondern auch die billigen Eigenmarken der großen Handelsunternehmen. Und dennoch konnten sich Kölln-Produkte stets durchsetzen, weil wir innovativ waren ohne unsere Tradition zu vernachlässigen. Unsere Köllnflocken sind seit 1938 der Qualitätsstandard für Haferflocken und wir sind sowohl die Erfinder des Schoko-Müslis als auch des Haferdrinks „Smelk“. Viele andere haben versucht, es uns nachzumachen. Nun müssen wir lernen, die digitalen Möglichkeiten für uns zu nutzen, um mit dem Kunden in den direkten Dialog zu kommen und daraus neue Produkte zu entwickeln. Da gibt es dann auch ganz neue Mitbewerber, die das schon sehr gut machen, allerdings ausschließlich für wenige wohlhabende Kunden im Hochpreisbereich. Um seine Existenz muss aber nur der fürchten, der weder innovativ ist noch die Chancen der Digitalisierung nutzt.

Wie wichtig ist es, Marken heutzutage online zu führen?

Dr. Christian von Boetticher Markenführung wird in Zukunft nur noch bipolar, also über klassische Medien einerseits und dialoge Medien andererseits effizient möglich sein. Weder wird die Werbung ohne die Social Media-Kanäle auskommen, noch wird sich die Marke ohne die digitalen Möglichkeiten des Kundendialogs und der -analyse führen lassen. Analog und Digital sind dabei wie zwei Seiten einer Medaille.

Und dann wäre noch die Standort-Frage zu klären: Können zukünftig alle Produkte noch in Elmshorn produziert werden, oder werden andere Standorte zusätzlich anvisiert?

Dr. Christian von Boetticher Wir produzieren seit 198 Jahren in Elmshorn und verarbeiten hier inzwischen rund 56.000 Tonnen Hafer im Jahr. Neue Investitionen in die Produktion sind bereits geplant, so dass wir auch in absehbarer Zeit dem Standort treu bleiben. Die zugekauften Marken, insbesondere die Speiseöle- und fette, produzieren wir nicht selbst, sondern lassen sie u.a. in Österreich herstellen. Einkauf, Qualitätskontrolle und Vertrieb liegen aber bei uns. Zwar führt die Digitalisierung dazu, dass der Entscheidungsdruck auf Nahrungsmittelanbieter wächst: Bin ich ein hocheffizienter Nahrungsmittelproduzent oder ein angesehener Lösungsanbieter für die Rahmenbedingungen der Menschen bei der Nahrungsaufnahme. Bei neuen Marken und Artikeln heißt die Frage also immer: Make or Buy? Als Haferflocken-, Müsli- und Cerealien-Produzent sind wir aber auf beides spezialisiert und das wird auch so bleiben.

Die Digitalisierung nimmt immer stärkeren Einfluss auf unser Essverhalten und beeinflusst zunehmend die Konsumenten. Inwiefern geht man jetzt schon auf die zukünftigen Fortschritte ein?

Dr. Christian von Boetticher In Zukunft werden Menschen aufgrund neuer Medizintechnologie besser in der Lage sein, zu überprüfen, welche Nahrung ihnen persönlich gut tut. Früher ging es in Deutschland darum, satt zu werden, in den letzten 60 Jahren um Genuss und in Zukunft stärker darum, was gut für den eigenen Körper und die Gesundheit ist. Darum arbeiten wir bei Kölln schon heute eng mit dem Ernährungsmedizinischen Institut der Universität Lübeck zusammen. Zugute kommen uns dabei die hervorragenden Haferwerte bei Biotin, Beta-Glucan, den Vitaminen B1 und B6, sowie Eisen und Magnesium. Wir werden unsere Müslis aber in Zukunft noch stärker an aktuelle Gesundheitserfordernisse ausrichten und ganz bewusst auf Zutaten wie Aromen, Soja oder Palmöl verzichten.

Online koelln.de

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 5 und 7.
Das könnte Sie auch interessieren