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Carolin Fortenbacher
Multitalent

Sie steht seit 1985 auf der Bühne. Ist Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin. Ihr Stimmvolumen geht über fünf Oktaven. „Frohsinnig, tiefsinnig, unsinnig“, so beschreibt sich Carolin Fortenbacher. Wir trafen sie in einem Café in Hamburg-Eppendorf.

Carolin Fortenbacher
Carolin Fortenbacher

Carolin Fortenbacher, mit welchem magischen Moment sind Sie in den heutigen Tag gestartet?

Carolin Fortenbacher Mit der ersten Tasse Kaffee im Bett und meinem gesunden Joghurt. Dieser Augenblick gibt mir eine unglaubliche Ruhe, aus der heraus ich dann schon mal die ersten Mails bearbeite.

„Fortenbacher singt Streisand“, Ihr außergewöhnliches Trio-Konzert, samt der von Lutz Krajenskis arrangierten Welthits u.a. von dieser großartigen Künstlerin in der Elbphilharmonie. Das wäre doch auch so ein magischer Moment. Könnte dieses Konzert im neuen Jahrzehnt Wirklichkeit werden?

Carolin Fortenbacher Damit in die Elbphilharmonie zu kommen, wäre der Kracher. Ich bin dort schon einmal im Rahmen einer Queen Mary Veranstaltung aufgetreten. Das war jedoch nicht öffentlich. Noch schöner wäre es allerdings, mit einem Konzert von Carolin Fortenbacher in der Elbphilharmonie präsent zu sein. Schauen wir mal, was die Zukunft so zu bieten hat.

Und wovon träumen Sie noch?

Carolin Fortenbacher Von einer eigenen kleinen Bühne, einem eigenen Ort für Sport und Kultur. Mit toller Musik und wundervollem Lebensgefühl — so künstlerisch und atmosphärisch vielseitig, wie ich selber bin. Mit einer Bühne, auf der ich selbst auftrete, aber eben auch andere Künstler und wo vor allem auch dem Nachwuchs eine Bühne gegeben wird. Ja, davon träume ich. Ich habe vor vielen Jahren zuhause damit angefangen und es „Caros Salon“ genannt. Dabei denke ich auch daran, dass meine Generation, die wahrhaft jung und cool geblieben ist, dort hingehen kann. Um warmherzig zusammenzusitzen, tolle Musik geboten zu bekommen und auch Hunger und Durst ein wenig gestillt werden — der Hunger auf Musik und das Leben.

Also, hiermit starten wir mal einen Sponsorenaufruf.

Carolin Fortenbacher Genau, finde ich auch. Aber vor allem suche ich nach der geeigneten Location. Schon allein, weil Donna, die Protagonistin aus „Mamma Mia!“, ja auf ihrer Insel auch ihren eigenen Laden aufgemacht hat. Rund 1.200 Mal habe ich in der deutschen Erstaufführung in Hamburg in der Rolle auf der Bühne gestanden, und sie hat mich sehr geprägt. Es wäre doch toll, wenn ich genauso wie Donna mein eigenes Ding machen könnte. Mache ich ja sowieso schon die ganze Zeit, aber die eigene Bühne fehlt noch.

Was ist Ihnen sonst noch wichtig im Leben?

Carolin Fortenbacher Ehrliche, vertrauensvolle, humorvolle Menschen um mich herum. Und mein Familiengefüge. Als im Sternzeichen der Krebs-Geborenen mag ich es warmherzig und extrem heimelig. Deshalb hänge ich auch so sehr an ­meinen Musikern, die mich mittlerweile gut kennen.

„Ich habe keine musikalischen Vorbilder, ich lasse mich immer wieder neu inspirieren.“

Wer ist Ihr musikalisches Vorbild?

Carolin Fortenbacher Ich habe keins. Es gibt so viele tolle Künstler und Sänger. Ich lasse mich immer wieder neu inspirieren. Da kann ich mich gar nicht entscheiden.

Bei Ihrem Temperament sind Sie doch sicher italienaffin?

Carolin Fortenbacher Aber sowas von. Total. Obwohl ich schon lang „Pasta e Basta“, einen italienischen Liederabend gespielt habe, war ich nur ein Mal in Rom. Doch vergangenen Sommer hat es mich gepackt. Zum ersten Mal war ich länger in Italien. Como und der Como See — ein Traum! Einmal mit der Vespa durch Italien, herrlich!

Sie waren dort mit Ihrer neuen Liebe. Kennt man ihn?

Carolin Fortenbacher Nein. Ich könnte ihn jetzt bekannt machen, aber ich habe meine Erfahrungen mit der Veröffentlichung meiner Beziehungen gemacht. Deshalb lasse ich es lieber. Ich sage nur eins. Das Glück meint es gut mit mir. Und dafür bin ich dankbar.

Sie sagen das nicht ohne Grund. 2016 verloren Sie beide Elternteile im Abstand von nur fünf Stunden.

Carolin Fortenbacher Als ich 17 Jahre alt war, habe ich mal gesagt: Wenn meine Eltern sterben, dann sterbe ich auch. Ich konnte mir nie vorstellen, ohne die beiden, ohne unser Familiengefüge mitsamt meinem Bruder zu sein. Wir hatten ein so wundervolles, enges Verhältnis. Mein Vater war wie ich Sternzeichen Krebs, meine Mutter Jungfrau. Die beiden waren 67 Jahre zusammen. Ein Dreivierteljahr dachten wir jeden Tag, meine Mutter stirbt. Es war zum Schluss eine Krankenhaus-Odyssee. In den letzten drei Wochen schafften wir es endlich, sie nach Hause zu holen, um sie zu begleiten. Als ich meinem Vater sagte, dass wir uns auf die Verabschiedung vorbereiten müssen, wollte er es nicht wirklich wahrhaben. Diesen Blick von ihm werde ich nie mehr vergessen. Von da ab ging es auch ihm urplötzlich nicht mehr gut. Er ließ sich selber ins Krankenhaus einweisen und verstarb fünf Stunden nach meiner Mutter. Zu Lebzeiten rief sie immer: „Hugo kommst du?“. Das hat unsere wunderschöne weise Mutter wohl auch in diesem Moment getan. In dieser Zeit probte und spielte ich an den Hamburger Kammerspielen in dem Stück „NEXT TO NORMAL - Fast Normal“ eine bipolar gestörte Mutter. Auch darin ging es um das Thema Tod. Das war für mich, dachte ich zu dem Zeitpunkt, ein echtes Therapiestück. Doch ein Jahr später, zur Wiederaufnahme, verlor ich für einige Tage meine Stimme. Da erst setzte die Verarbeitung ein.

Wie dankbar sind Sie für Ihr Leben?

Carolin Fortenbacher Oh, ich bin sehr dankbar. Ich hatte fantastische Eltern und habe meinen unendlich kreativen, großen, geliebten Bruder. Ich bin so wunderschön großgeworden. Ich habe ein tolles Kind, einen fantastischen Vater meiner Tochter. Unglaublich tolle Freunde und Menschen voller Herzlichkeit um mich. Ich hatte mit „Mamma Mia!“ genauso viel Glück. Vor allem mit dem, was ich danach daraus gemacht habe. Alles, was ich bis jetzt künstlerisch erarbeitet habe, ist das, was ich machen will und was mich unglaublich erfüllt. Die verschiedenen künstlerischen Schubladen, ob musikalisch oder spielerisch in Rollen, die Musikstile, mit den sich daraus ergebenden eigene Abende zu entwickeln, das ist meine Welt.

„Ich bin so wie ich bin: frohsinnig, tiefsinnig, unsinnig.“

Ihr Repertoire reicht von Soul, Jazz, Pop, Chanson bis zur Oper. Sie spielen sowohl Rollen und singen ebenso klassische Partien. Sie haben mal gesagt: „Ich möchte alles Mögliche machen — das ist mein Leben.“ Wie gelingt es Ihnen, Ihre Zuschauer zu berühren?

Carolin Fortenbacher Mit Authentizität, ich bin so wie ich bin… in meinem Fall frohsinnig, tiefsinnig, unsinnig. Sowohl Ernsthaftigkeit als auch das Tiefgründige waren bei mir immer vorhanden und entstehen natürlich aufgrund der Lebenserfahrung immer mehr. Komiker sind in größtem Sinne auch ernsthafte Menschen. Wer die Komik nicht wirklich ernst nimmt und denkt: „Ich will jetzt einfach mal nur die Menschen zum Lachen bringen“, dem gelingt es nur oberflächlich, das Publikum zu begeistern und zu berühren.

Was war das Einschneidendste in Ihrem Leben?

Carolin Fortenbacher Die Geburt meiner Tochter 1995. Ich bin so glücklich, dass ich sie habe. Sie ist mein Leben.

Ihre Tochter heißt Celine — nach Céline Dion?

Carolin Fortenbacher Nein, ich wollte aber gern einen französischen Namen. Mit ihrem Vater, meinem ersten Mann, haben wir uns für Celine entschieden. Genau in dem Augenblick, als Céline Dion berühmt wurde. „Komisch“, haben wir damals gesagt, “irgendwann werden uns die Leute fragen, ob wir ihr wegen Céline Dion den Namen gegeben haben.“

Auch Ihre Tochter ist Künstlerin.

Carolin Fortenbacher Ja, sie hat darstellende Kunst an der Goldsmiths University of London studiert und diese sehr erfolgreich abgeschlossen. Es war ihr eigener Wunsch, nach London zu gehen. Wir haben alle gemeinsam daran gearbeitet, die drei Jahre Studium finanziell wuppen zu können. Als Abschlussprüfung hat sie eine berührende poetische Figur entwickelt. Sie erzählt ohne Worte eine Geschichte, die aus unserer Familiengeschichte entstanden ist und „Putzi Kamionka!“ heißt. Putzi hat mein Vater meine Mutter immer genannt und Kamionka ist der Mädchenname meiner Mutter. Sie hat eine Figur kreiert, die auf der Suche nach Dingen ist, die sie schützen und beschützen kann. In diesem Fall dreht es sich um ein „Straußenei“. Doch alles, was man zu viel und zu oft schützen möchte, kann auch durch einen selber kaputt gehen. Darum dreht sich ihr kleines Physical Theaterstück. Die Geschichte zeigt, wie zerbrechlich unser Leben ist. Darüber hinaus ist meine Tochter in der Community des Vogueing/Kiki House of Angel zu finden und arbeitet als Casterin in einer Londoner Casting Agentur.

Wen würden Sie gern mal treffen?

Carolin Fortenbacher Luciano Pavarotti hätte ich gern getroffen. Über ihn weiß man, dass er vor allem so singen konnte, weil er seine Familie, seine vertrauten Menschen immer um sich herum hatte. Und das auch unbedingt so wollte. Einsamkeit war für ihn furchtbar. Das ist für mich genauso.

Wie glücklich sind Sie?

Carolin Fortenbacher In diesem Moment ehrlich glücklich.

Ihr Glück ist geprägt von welchem Leitspruch?

Carolin Fortenbacher Man muss einfach das Chaos in sich haben, um Glitter furzen zu können.

Online
www.carolin-fortenbacher.de

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